Reis – kleine Pflanze große Wirkung

SONY DSCWie meistens in Ifakara sind wir auch heute mit dem Fahrrad unterwegs. Kaum haben wir die geteerte Hauptstraße gequert, geht es auf staubigen Wegen weiter, zwischen Häusern und Feldern durch bis nach Mbasa. In diesem Dorf, das zu Ifakara gehört, erwartet uns eine unserer Projektgruppen. Es sind 10 Frauen, die seit 3 Jahren im Rahmen eines Reisanbauprojekts des Vereins unterstützt werden.

SONY DSC

Projektgruppe in Mbasa

In den letzten Jahren haben sie viele Schulungen zu verschiedenen Themen wie Sortenauswahl, Anbautechnik, gezielte Schädlingsbekämpfung und Düngung, aber auch Erntetechnik und wirtschaften mit dem Einkommen absolviert. Und der Erfolg spricht für sich. Sie sind selbst in diesem Jahr, in dem die Regenfälle sehr unregelmäßig waren, zufrieden mit der Ernte.

Was hat sich durch das Projekt für sie verändert? Jede der Frauen hat ihre eigene Erfolgsgeschichte zu erzählen. Johana kann durch das zusätzliche Einkommen ihren Sohn zum  Kollege in Dar-es-Salaam schicken, Janeth hat jetzt Strom in ihrem Haus, Erika konnte für die Behandlung ihrer kranken Mutter aufkommen, Akwinatha hat einen Baugrund kaufen können und Zakhia hat sogar mit dem Hausbau begonnen.

Stolz erzählen sie davon – denn auch wenn sie unterstützt wurden haben sie das alles doch durch ihrere eigenen Hände arbeit geschafft. Niemand hat für sie die Felder bestellt, das haben sie selbst geschafft. Es steigt nicht nur ihr Einkommen und ihr Status in der Familie, sondern auch ihr Selbstbewusstsein.

Der Name ihrer Gruppe ist Programm: “Tunaweza”, nennen sie sich “Wir können/schaffen das”.

Vor der Kamera waren die Damen dann aber doch etwas schüchtern 😉

 

Irgendwie Afrika…

Nach den ersten Tagen zurück in Afrika stellt sich wieder ein Gefühl des Ankommens ein.

Ich sitze jetzt im letzten Licht des Tages auf den Stufen vor dem Haus und genieße das, was ich so klar mit Afrika verbinde. Irgendwo dröhnt Musik aus einem Lautsprecher, der Bass ist weit hin zu hören. Ein Hahn kräht, plötzlich das helle Lachen einer Frau. Kinder laufen auf der Straße und der Geruch von offenen Feuern auf denen das Abendessen zubereitet wird liegt in der Luft – ebenso der Geruch von verbranntem Müll. Die Kokospalme hinter dem Nachbarhaus wirkt wie mit Weichzeichner nachgezogen durch den Staub der ungeteerten Straße, der sich langsam legt. Insekten zirpen und immer wieder singt irgendwo ein Vogel.

Es ist laut und doch seltsam friedlich… Und für den der er kennt ist es ein Stückchen Heimat fern der Heimat… es ist Afrika.

Ankommen und erste Neuigkeiten

Nach einer guten ersten Nacht in Tansania und einem tollen Frühstück sind wir im Büro unseres Vereins angekommen… Erste Projekte werden schon besprochen und der Plan für unseren Aufenthalt fixiert.

Viel Zeit verbringt Moses Subert, der für unseren Verein hier arbeitet, nicht im Büro. Er ist meistens bei unseren Landwirtschaftsprojekten unterwegs draußen auf den Feldern und bei Bäuerinnen und Bauern.

Gerade hat er uns erzählt, dass einer der Stipendiaten unseres Vereins gerade seinen Schulabschluss gemacht hat und uns gerne treffen will… Wir freuen uns darauf und nehmen euch natürlich mit!

Es ist schon ein Bisschen eigenartig, jetzt wo wir am Flughafen sitzen. Bis zum Schluss war Zuhause noch viel zu tun – wie das vor dem Urlaub halt so ist. Und mitten aus diesem Stress heraus die Vollbremsung, wenn man das Gepäck aufgegeben hat, den Securitycheck hinter sich hat und nur mehr am Gate warten kann.

Da hat man dann das erste Mal Zeit sich so richtig vor Augen zu führen, dass es jetzt los geht.

Vor uns liegt eine Reise, die uns aus dem Alltäglichen herausreißen und entschleunigen wird. Es ist ein Eintauchen in eine andere Welt – und gleichzeitig doch nicht. Denn es gibt nur diese eine Welt, die uns allen gemeinsam überantwortet ist und auf der wir miteinander leben dürfen.

Und doch wird uns vieles in den nächsten Wochen so ganz anders erscheinen.

Wir freuen uns darauf und atmen jetzt erst mal dufch bevor es dann über Dubai nach Dar es Salaam geht, wo wir morgen um 14:30 Uhr Ortszeit ankommen werden.

Es geht wieder los…

Nach 3 Jahren (unfreiwilliger) Pause geht es jetzt endlich wieder nach Ifakara. Ich bin gespannt was sich in den letzten Jahren verändert hat und freue mich darauf Freunde und Projekte wieder zu sehen – und Neues kennenzulernen.

Was gibt es Neues?

Immer wieder wollen wir mit unseren Projekten neue Wege gehen und versuchen Menschen in Ifakara nachhaltig zu unterstützen. Ein neuer Ansatz dazu: Milchziegen.

Wir sind unterwegs zu einem unserer letzten Besuche in Ifakara.  Nicht zum ersten Mal kommen wir in diese Nachbarschaft, zu diesem Haus,  zu dieser Familie.  Sprina ist der Name der Frau und sie und ihr Mann haben im letzten Jahr Zwillinge bekommen. Ungetrübt ist die Freude darüber nicht,  dann bei einer Untersuchung im Krankenhaus hat die damals schwangere Frau erfahren,  dass sie Hiv-positiv ist – ihr Mann ebenfalls. Es war ein Schock aber dann zum Glück die Nachricht vor einigen Wochen: zumindest die Kinder sind nicht infiziert.

image

Bald wird aus der Kochstelle ein Ziegenstall

Jetzt sitzt sie vor der kleinen Hütte und schält Erbsen. Die Kinder spielen im Sand und holen sich immer wieder einzelne Erbsen.  Ihr Mann ist unterwegs und sucht nach Brennholz,  dass sie verkaufen können.  Eigene Felder haben sie nicht, Arbeit haben sie auch keine – wie so viele hier.  Es fehlt die Lebensgrundlage. 
Der jungen Frau will etwas verändern – so kann es nicht weiter gehen, sagt sie, vor allem nicht für die Kinder.  Sie will ein besseres Leben für die beiden… aber wo anfangen? 

image

Milchziegen -Bock... noch in Morogoro, bald in Ifakara

Mit Milchziegen – Sprina und ihr Familie sind eine der Familien,  die in einem neuen Projekt dabei sind. In Morogoro und Arusha haben wir Milchziegen gefunden – Nachkommen von schweizer Saanenziegen und norwegischen Milchziegen,  die sich über die Jahre und Generation an das Klima angepasst haben.  Die einheimischen Ziegen werden in erster Linie für die Fleischgewinnung gezüchtet und produzieren gerade genug Milch um ihre Zicklein zu ernähren.
Mut der Ziegenmilch haben die Kinder eine bessere Ernährungsgrundlage und v.a. Eiweißversorgung – ganz besonders da über die Muttermilch das HI-Virus übertragen werden kann und viele der Frauen stillen daher nicht.
In diesem Projekt wollen wir versuchen Kindern mit Hiv-positiven Eltern einen besseren Start in die Zukunft zu geben.
Zum Glück haben sich gleich einige Menschen in Österreich gefunden, die uns dabei unterstützen wollen – ein besonderes Danke an Ina&Martin und an Elisabeth!

image

Sprina und ihre Zwillinge

Vor wir uns auf den Weg zurück machen, sieht mir Sprina tief in die Augen… “Ich werde mein Bestes tun,  damit sie (ihre Kinder) ein Leben haben – dieses Projekt ist ein erster Schritt. ” So beginnt ein Stück neue Zukunft… 

Der Baufortschritt

Inzwischen ist es schon eine ganze Zeit her,  dass das BRH/BORG Landeck das Geld für den neuen Klassenraum in der Primary School in Katindiuka /Ifakara gesammelt hat  – leider hat sich der Bau durch Überschwemmungen in dem Gebiet verzögert und konnte noch nicht beendet werden. 

image

Jetzt ist es endlich soweit – der Raum steht und es werden die in diesen Tagen Fensterstöcke und Türen gesetzt,  dann noch letzte Arbeiten am Boden und in wenigen Wochen kann hier unterrichtet werden.

image

Inzwischen sitzen im Schnitt 87 SchülerInnen in einer Klasse hier, in einzelnen Klassen sind es mehr als 100. Der Schulleiter erklärt uns zufrieden,  dass mit dem zusätzlichen Klassenraum die Zahl der SchülerInnen in jeder Klasse unter 100 gesenkt werden kann.  Der Staat stellt auch neue Lehrkräfte an,  sobald die Klasse fertig ist – hier werden zwar die zusätzlichen Bauten  nicht vom Staat finanziert, die danach benötigen LehrerInnen aber schon.
Wie hier unterrichtet wird ist für uns schwer vorstellbar.  Bei so vielen SchülerInnen gibt es kaum Zeit Fragen zu beantworten und es bleibt meist nur Frontalunterricht.  Bei den staatlichen Examen,  die man mit einem bestimmten Schnitt bestehen muss, um eine höhere Schule besuchen zu dürfen, schneiden junge Menschen aus solchen überfüllten Schulen meist schlecht ab.  Mit jedem neuen Klassenraum steigen die Chancen auf weitere Ausbildung für die Kinder hier.

image

Eine der Schülerinnen, die 13 jährige Leila erzähl,  dass sie einmal Krankenschwester werden möchte – dazu muss die aber eine höhere Schule besuchen. Erst danach kann sie mit der Ausbildung beginnen.
Mit dem neuen Klassenraum wächst die Möglichkeit eine Ausbildung zu machen hier in Katindiuka und damit die Chance auf eine bessere Zukunft… so wie diese kleine Pflanze auf der Baustelle… Asante – Danke

image

Wir bedanken uns auch für die vielen Spenden,  die wir alle 3 bekommen haben und die hier gelandet sind – Kugelschreiber, Stifte,  Lineale, Blöcke – sie können mehr als gut gebraucht werden.

image

Chekechea

Unsere Fahrräder nähern sich dem Kindergarten in Katindiuka – das kleine Gebäude liegt hinter Palmen und Bananenstauden verborgen. Rund um uns die Alltagsgeräusche in Ifakara: gerufene Begrüßungen, das Klappern von Geschirr,  Hähne krähen…

image

Aber wir hören keine Kinder … als wir dann die Räder abstellen hören wir leise Stimmen im Kindergarten: “Wamefika.  Wazungu wamefika.” “Sie sind da.  Die Europäer sind da.” Die Stille ist Nervosität… Besucher sind selten,  besonders, wenn sie von so weit her kommen.  Rund 30 Kinder sind in dieser Kindergartengruppe,  ungewöhnlich wenige und nur deshalb möglich,  weil der Verein der Freunde von Ifakara den Bau,  den Gehalt der Kindergärtnerin und auch sonstige Kosten finanziert hat und finanziert.  Besonders unterstützt werden wir dabei vom Kindergarten in Zams, aber auch andere Kindergärten unterstützen das Projekt immer wieder.
Die Kinder springen von ihren gewobenen Matten auf begrüßen uns im Chor mit “Good morning!” – Schnell tauen die Kinder auf und die Seifenblasen von Marion helfen sehr dabei. Und dann wissen wir warum der Kindergarten hier “Shule ya Chekechea” – “Schule des Lachens ” heißt.

image

In den Raum finden sich Plakate mit Zahlen und Buchstaben,  es werden Rechenaufgaben gelöst und neue Wörter gelernt.  Im Kindergarten lernen die Kinder in Tansania lesen,  schreiben,  die Grundrechnungsarten und sie beginnen mit den ersten englischen Wörtern.  Zu Mittag gibt es dann eine Scheibe Brot, bevor alle nach Hause gehen.  Für ein Jahr bezahlen die Eltern der Kinder hier rund 30€ da es kein staatlicher Kindergarten ist – die staatlichen Kindergärten sind kostenlos,  aber dafür sind dort pro Gruppe bis zu 80 Kinder. Das Lernen ist dann sehr schwierig und die Kindergärtnerinnen haben kaum Zeit sich um die einzelnen Kinder zu kümmern. In der auf den Kindergarten folgenden Primary School (Grundschule) wird dann aber davon ausgegangen, dass Schreiben und Rechnen beherrscht wird. 
Natürlich gibt es auch hier noch viel zu tun.  Es fehlt noch eine Tafel,  Becher und viele Kleinigkeiten… aber auch Stipendien für Kinder deren Eltern sich den Besuch nicht leisten können werden gebraucht.
Hier finden wir die Basis für jede weitere Ausbildung – vielen Dank für die Unterstützung des Kindergartens in Katindiuka.

image

Marion hat als natürlich Seifenblasen dabei... etwas ganz Besonderes

Ziele, nicht Träume

Ich sitze in einem kleinen Lokal in der Nähe des Postamts in Ifakara.  Vor mir ein weißer  Plastiktisch mit aufgedrucktem Pepsi-Logo. Mir gegenüber sitzt ein junger Mann,  20 Jahre alt, sichtlich nervös. Sein Name ist Baraka.

image

Die letzten beiden Jahre hat er ein Stipendium von unseren Verein bekommen uns vor wenigen Wochen hat er die High School abgeschlossen – sozusagen Matura/Abitur gemacht. Jetzt ist er in Ifakara und seine Familie zu besuchen und auch um uns zu treffen.  Seine Mutter hat er seit rund einem Jahr nicht gesehen – seine Schule war in einem anderen Teil  des Landes und reisen ist teuer. Die Wiedersehensfreude war unbeschreiblich groß. Den Vater hat er noch länger nicht gesehen – Barakas Mutter ist eine seiner Nebenfrauen und er hat 26 Kinder.  Unterstützung für die die Familie gab es nie von seiner Seite. 

Heute sind wir eingeladen seine Mutter zu besuchen. Darum ist er so nervös und seine Mutter,  so sagt er,  noch viel mehr. Besucher aus Europa gibt es in ihrem Ortsteil nie – noch dazu Europäer, die die Ausbildung ihres Sohnes finanziert haben. Mama Baraka begrüßt uns gemeinsam mit ihrer Schwester – nicht ihrer biologischen Schwester erfahren wir später,  aber sie gehören zum selben Stamm.  Die Familien der beiden Frauen stammen aus Rwanda und sind in den 70er Jahren vor den ersten Zusammenstößen zwischen Hutu und Tutsi geflogen, die in den 90er Jahren traurige Bekanntheit erreicht haben. Als Flüchtlinge sind sie gekommen, haben Familie und Freunde auf der Flucht verloren und sie sind eine Familie füreinander geworden – jetzt arbeiten beide als Hilfskrankenschwestern im Krankenhaus.

image

Beide Frauen bedanken sich immer wieder für die Hilfe und Unterstützung für den jungen Mann,  den sie beide Sohn nennen. Sie sind stolz auf ihn,  aber machen sich auch Sorgen,  wie seine Zukunft aussehen wird. Sie wünschen sich, dass er einmal etwas für die Menschen tun wird und nicht nur für Geld.

Wie sieht sein Plan für die Zukunft aus? Er will Medizin studieren,  erzählt er uns, das Leben seiner Familie und der Menschen hier in Ifakara verbessern – das sei seine Vision. Nein, nicht seine Vision – sein Ziel.  Er verbessert sich: “Ich nenne meine Träume und Visionen Ziele – Ziele kann man erreichen… “