Moses Subert

Das beste Projekt bringt nichts, wenn es nicht koordiniert und kontrolliert wird. Dafür haben wir in Ifakara im Jänner unser eigenes Büro eröffnet und Büroleiter Moses Subert kümmert sich hier hauptverantwortlich darum, alles am Laufen zu halten. Moses ist ein 30jähriger Agrarökonom, den die „Freunde von Ifakara“ schon lange kennen. Vor vielen Jahren hat er mit einem Stipendium unseres Vereins begonnen eine Secundary School (die entspricht ungefähr dem Gymnasium bei uns) zu besuchen und später hat er mit dem selben Stipendium seine Universitätsausbildung gemeistert. Nach einigen Jahren in Nordtansania, in denen er viel Berufserfahrung gesammelt hat, ist er im Jänner wieder nach Ifakara zurück gekehrt und leitet hier unsere Projekte. Unterstützt wird er im Moment von Faidha Fussi, die sich v.a. um die Projekte im Kontext von HIV/Aids kümmert.

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Moses ist ein bemerkenswerter junger Mann, mit sehr viel Feingefühl und Verständnis für die Menschen in den Projekten und doch auch mit sehr viel Konsequenz und (und das ist in Tansania manchmal schwer zu finden) mit großen buchhalterischen Kompetenzen! Belege und Abrechnungen stimmen auf den Tanzanian Shilling (2200 Shilling = 1 €) genau! Einen so fleißigen und gewissenhalten Projektleiter zu haben ist etwas ganz Besonderes!

Er hat für uns den Großteil unseres Programms zusammengestellt und begleitet uns zu den meisten unserer Besuche. Am Samstag (2.8.) nimmt er uns dann mit in das kleine Dorf, in dem seine Mutter lebt. „Mama Moses“, nennen wir sie. In Tansania ist es üblich, die Mutter eines Freundes mit seinem Namen und einem vorgestellten „Mama“ anzusprechen. Sie ist krank, leider schon recht lange – Blutdruck-Probleme, Arthritis und Herzprobleme machen ihr zu schaffen – aber sie freut sich über den Besuch. Ich kenne sie schon lange, habe sie schon oft besucht und freue mich immer diese warmherzige und liebevolle Frau wieder zu treffen. Auf die Frage, wie es ihr geht, sagt sie „Ich danke Gott, es geht aufwärts.“ Kein „es könnte besser sein“, kein „naja“. Sie freut sich, dass es besser wird. Und sie bedankt sich immer wieder: für die mitgebrachten Geschenke (es gehört auch hier zum guten Ton, etwas mitzubringen, wenn man eigenladen ist), also Seife, Gemüse, etwas Zucker und Sonnenblumenöl, für den Besuch, v.a. aber dafür, dass ihr Sohn seine Ausbildung machen durfte und jetzt mit uns arbeiten darf. Sie ist stolz auf ihn – er ist jetzt das Familienoberhaupt und auch der Hauptverdiener. Moses arbeitet nicht nur für sich, er versorgt seine Mutter, unterstützt seine 3 Geschwister, die Nichten und Neffen, die Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten, … die ganze Großfamilie profitiert davon, dass es ein regelmäßiges Einkommen hat. FAMILIE wird hier groß geschrieben. Dank Moses gibt es nicht mehr einen winzigen, dunklen Schlafraum in der Lehmhütte, sondern jetzt ein kleines Haus mit mehreren Zimmern – dafür sind alle besonders dankbar.

Es ist wunderbar ruhig hier und wir sitzen im Schatten der Mango- und Cashewnussbäume und essen gemeinsam – wie eine große Familie, auch wenn wir auf verschiedenen Kontinenten geboren wurden. Wir machen uns wieder auf den Weg nach Ifakara, ins geschäftige Leben dort – aber unsere Gedanken sind noch immer im Dorf, bei diesen Menschen, die uns ein paar Stunden lang als Teil ihrer Familie aufgenommen haben.

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LehrerInnen haben 9 Wochen Ferien?!

Im Jugendzentrum in Ifakara tut sich immer etwas – am Wochenende wird der große Saal gerne für Feste vermietet, Sitzungen und Treffen verschiedenster Gruppen finden in den kleiner Räumen statt und jeden Abend von Montag bis Freitag, gibt es hier kostenlosen Nachhilfeunterricht. Nachdem unsere beiden Nachhilfelehrer Jacob und Joseph gerade für ein paar Wochen in einer kleinen Krankenstation außerhalb von Ifakara ihr Praktikum absolvieren (sie studieren beide Medizin), juckt es unsere beiden LehrerInnen Petra und Barbara in den Fingern – da könnte man doch was machen! Auch Carina ist mit dabei und so machen sich „unsere“ 3 mitreisenden Damen jeden Abend auf den Weg ins Jugendzentrum um Englischnachhilfe zu geben. Petra unterrichtet auch in Österreich Englisch an einem Gymnasium und ist natürlich vorbereitet. Mit viel Liebe und Zeitaufwand, hat sie schon vor der Abreise nach Tansania Übungsblätter vorbereitet, die jetzt natürlich sehr gefragt sind!

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Mit viel Geduld wird erklärt und diskutiert und ein Blatt nach dem anderen ausgefüllt. Und eines Abends gibt es dann eine besondere Lektüre aus der Volksschule Zams. Mit viel Liebe haben SchülerInnen dort ein Plakat zusammengestellt und sich darauf auf Englisch vorgestellt. Das finden die Jugendlichen hier natürlich sehr spannend – wie leben denn Kinder in Österreich?

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Zum Abschluss gibt es dann eine schöne Abschlussüberraschung für die SchülerInnen – Kugelschreiber! In Tansania sind die nämlich sehr begehrt und leider auch teuer. Nicht jede/r kann sie sich leisten und so kommt die Spende aus dem SPZ Zams mehr als gelegen! Dort wurden wie schon im letzten Jahr Kulis gesammelt und zwar sehr, sehr fleißig und so können wir auch diesmal wieder im Jugendzentrum und an Schulen die begehrten Stifte verteilen!

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Vielen Dank an alle Zuhause, die immer wieder an die Kinder und Jugendlichen in Ifakara denken!

Und ein riesengroßes Danke an Petra, Barbara und Carina, die ihre Abende damit verbringen, Jugendlichen in Ifakara zu helfen ihre schulischen Leistungen zu verbessern! Ein ganz besonderes Geschenk ist Zeit!

Was heißt das jetzt konkret?

Was heißt es für eine Frau in Katindiuka/Ifakara bei unserem landwirtschaftlichen Projekt dabei zu sein? Das haben uns die Frauen in Katindiuka sehr anschaulich gezeigt.

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Salma ist eine einfache Frau, ohne große Schulbildung. Mit ihrem Sohn lebt sie in einem kleinen Haus, mit nur einem Raum, gleich gegenüber vom Haus ihrer Eltern. Sie ist Alleinerzieherin und das ist nicht immer einfach, denn das zusätzliche Geld könnte sie gut gebrauchen – Unterhaltszahlungen gibt es hier nicht. In den letzten Jahren hat sie einen Sack Reis von ihrem einzigen Feld geerntet, also ca. 100kg. Das hat gereicht sagt sie, gereicht um sie und das Kind zu ernähren. Für mehr allerdings nicht und so musste sie sich schon für Kleidung oder Arztbesuche Geld leihen.

Im Haus sehen wir keine Reissäcke – wo ist die Ernte? Sie lächelt und sieht uns nicht an als sie sagt, dass ihr Haus zu klein war um die ganze Ernte aufzunehmen, die Ernte habe sie im Haus ihrer Eltern untergebracht. Stolz ist sie darauf, das sagen zu können und auch ihre Mutter, die seit Kurzem Witwe ist, ist stolz auf ihre Tochter. 5 Säcke Reis sind es dieses Jahr – 1 Sack als Nahrung für sie und ihren Sohn, der Rest kann verkauft werden und ermöglicht ihr das, was sie als Wohlstand ansieht: Medikamente, Seife und Kleidung kaufen können und vielleicht auch ab und zu etwas Gemüse oder sogar Fleisch. Dieses Jahr gibt es nicht ausschließlich Reis zu essen!

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Gedanken auf einer Reise in ein fremdes Land…

Gastkommentar von Barbara Zehetner

Wenn man sich auf den Weg in ein fremdes Land macht und hier einige Zeit verbringt, gehen einem sehr viele Gedanken durch den Kopf. Die neuen Eindrücke, die jede Minute auf mich einwirken, lassen mich über so manches nachdenken. Geprägt durch unsere Kultur in Mitteleuropa ist man sehr schnell verleitet das Fremde mit dem Bekannten, also mit unserem Leben in Österreich zu vergleichen. Aber kann man zwei so unterschiedliche Länder miteinander vergleichen? Meine Antwort darauf ist ganz klar NEIN. Denn wenn man etwas miteinander vergleicht, ist die Gefahr sehr hoch, dass man in „Gut“ und „Schlecht“ denkt. Vielmehr muss man sich Gedanken darüber machen, was die Voraussetzungen sind, die jede Gesellschaft mit sich bringt. Wenn ich da an mein Leben denke, darf ich ganz klar feststellen, dass ich weltweit gesehen zu einem geringen Prozentsatz von Menschen gehöre, die täglich genügend Nahrung zur Verfügung haben, die eine angenehme Wohnsituation vorfinden, die Möglichkeit auf Ausbildung und Bildung, sowie medizinische Versorgung haben und die in einem demokratischen Staat mit einer friedlichen politischen Situation leben. Hier in Tansania ist es leider nicht selbstverständlich, dass Eltern ihren Kindern und sich selbst genügend Nahrung bieten können, dass sie bei Krankheit die nötige medizinische Versorgung in Anspruch nehmen können und dass sie wissen, dass sie ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen können. Und genau das macht den Unterschied aus. Es ist also nicht so, dass es „gute“ und „schlechte“ Kulturen, gibt, sondern dass jede Gesellschaft unterschiedliche Grundvoraussetzungen auf naturräumlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene mit sich bringt. Daher ist es für mich entscheidend, dass wir von zuhause aus nicht vorschnell über andere Kulturen urteilen (meist leider in negativer Weise), ohne den Unterschied in den Voraussetzungen zu hinterfragen und zu verstehen zu versuchen.

Alles schön und gut, aber warum geht das mich etwas an, wie es Menschen auf anderen Erdteilen geht? Diese Frage lässt sich in einer so vernetzten Welt, in der wir leben sehr einfach beantworten. Lass mich mal überlegen: Woher kommt eigentlich der Tee oder Kaffee, den ich täglich trinke, wer näht meine Kleider, die ich zuhause im Kleiderschrank habe, wer baut jene Rohstoffe ab, die für das Funktionieren meines Smartphones notwendig sind,…? Das sind natürlich nur wenige Beispiele, wie wir in unserem Leben mit Menschen überall auf der Welt verbunden sind. Denn diese Menschen produzieren Dinge für uns, die für uns ganz selbstverständlich sind. Und wenn wir etwas kritisch und ehrlich sind, dann wissen wir alle, dass nicht die einfachen Bauern und Bäuerinnen, FabriksarbeiterInnen und BergbauarbeiterInnen, sondern die zumeist westlichen Unternehmen vom weltweiten Handel profitieren.

In den vergangenen Tagen hatte ich die Möglichkeit einen sehr guten Einblick in die Projekte des Vereins „Freunde von Ifakara“ zu gewinnen. Ich ziehe den Hut vor jenen Menschen, die aus tiefster Überzeugung versuchen, andere zu unterstützen. Es ist beindruckend zu sehen, wie sie durch ihre Hilfe, den Menschen hier die Möglichkeit auf eine bessere Zukunft für sich und die Familie geben. Aber ich schätze nicht nur die ProjektmitarbeiterInnen, sondern auch jene, die von zuhause aus bereit sind, die Menschen hier in Ifakara mit einer finanziellen Spende zu unterstützen. Mich beeindruckt die Einstellung, dass es nicht selbstverständlich ist, nur von anderen Gesellschaften zu nehmen, sondern auch zu geben.

Daher ist es für mich sehr wichtig, dass wir uns – in einer so vernetzten Welt- Gedanken über das Fremde machen und uns nicht aus der Verantwortung nehmen, jene Menschen, die nicht die Grundvoraussetzungen vorfinden, wie wir sie haben, zu schätzen, zu unterstützen und nicht zu verurteilen.

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Ziegen, Kühe, usw

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Unser Projekt „SponsorSheep“ erfreut sich großer Beliebtheit. Viele haben uns dabei unterstützt und uns Spenden im Wert von Ziegen/Schafen/Schweinen (20€), Hühnern/Enten (5€) oder sogar Kühen (150€) anvertraut. Einige der Tiere durften wir besuchen – und einmal mehr waren wir auch bei unserer „Pilotgruppe“, einer Gemeinschaft von Frauen rund um Mama Mgaya, die vor 5 Jahren 2 Ziegen von uns bekommen haben. 28 (!) Ziegen waren es heuer schon – einen Teil davon haben sie verkauft oder auch an andere Gruppen weitergegeben. Die Tiere leben in kleinen Gruppen bei den einzelnen Familien der Gemeinschaft um Inzucht zu vermeiden. Eines unserer Vereinsmitglieder, der auch als tierärztlicher Berater fungiert, ist auch bei dieser Reise mit dabei – Martin Aigner, arbeitet in Bayern als Tierarzt und ist selbst Schafhalter. Die Frauen und Männer aus dem Ziegenprojekt sind aufgeregt, denn heute steht eine Lektion in Klauenpflege bei der Ziege an und zwar am lebenden „Objekt“. Warum man die Klauen (für die Nicht-Landwirte: „Hufe“) zurückschneiden muss ist nicht sofort für alle klar, darum gibt es zuerst mal die Theorie dazu: Fehlstellungen, Gelenksentzündungen, Geschwüre und dadurch andauernde Schmerzen können die Folgen sein, wenn die Klauenpflege vernachlässigt wird. Martin führt langsam und geduldig vor, wie’s gemacht wird und er hat auch die nötigen Werkzeuge mitgebracht, die groß bestaunt werden – sowas hat hier noch niemand gesehen. Und seine SchülerInnen stellen sich gleich recht geschickt an und freuen sich darüber, dass ihre Ziegen nun wieder gerade stehen.

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Auch 2 andere Mitreisende freuen sich: Barbara Zehetner und Petra Eisenknapp arbeiten beide als Lehrerinnen am Akademischen Gymnasium in Salzburg und in den letzten Jahren gab es an dieser Schule gleich mehrere großartige Sammelaktionen für dieses Projekt. Mehrmals von der 6e (mit Prof. Brigit Mooshammer) und heuer auch von der 3b (mit Prof. Barbara Zehetner). Schön, dass Barbara und Petra in Vertretung ihrer SchülerInnen neue Ziegen aussuchen und weitergeben können! Vielen Dank für den großen Einsatz der SchülerInnen und Lehrerinnen!

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HIV in Ifakara

Wir wissen, dass HIV und AIDS in Afrika ein großes Problem darstellen. Wir wissen, dass es unglaublich viele Menschenleben fordert. Wir wissen, dass die Zahl der infizierten Menschen die Grenzen des Vorstellbaren sprengt.

Das alles ist uns klar – aber es bleiben Zahlen und es bleibt ein Geschehen in einer uns fernen Welt. Was es aber in diesem Land tatsächlich heißt, das zeigt sich in den Gesprächen, die wir im Jugendzentrum in Ifakara führen durften. Der Vormittag war geprägt von den Fragen der SchülerInnen der höheren Schulen in Ifakara, die sich mit uns getroffen haben. Es beschäftigt sie v.a., wie sie sich schützen können, vor diesem Virus, das hier ganze Familien auslöscht. Es zeigt sich, HIV ist auch hier kein Tabuthema mehr und es ist erstaunlich wie offen die Jugendlichen sich trauen ihre Fragen zu stellen… auch Fragen zum Umgang mit Kondomen. Der Umgang mit dem Thema hat sich gewandelt.

Am Nachmittag sind es dann wieder die TeilnehmerInnen unseres Schneiderei-Projekts, alle HIV-positiv. Sie erzählen uns davon, wie sich ihr Leben verändert hat, seit sie von ihrer Infektion wissen. Viele von ihnen haben es gemerkt, weil sie immer öfter krank oder auch als sie schwanger wurden, denn hier in Tansania werden alle schwangeren Frauen, die ins Krankenhaus kommen, auf HIV getestet. Ein Schock war es für alle und auch für ihre Familien. Was sie seither in ihren Familien erlebt haben stimmt uns alle sehr nachdenklich. Eine Frau erzählt, dass ihr Mann sie noch am selben Tag verlassen hat. Seitdem muss sie nicht nur mit ihrer Erkrankung zurechtkommen, sondern auch den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder allein verdienen. Ihre einzige Unterstützung: eine Freundin, die zu ihr hält und sie unterstützt. Auch sie ist Teil des Gruppe, auch sie ist HIV-positiv. Sie sind jetzt eine Familie, sie halten zusammen.

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Andere erzählen, dass sich ihre Familie von ihnen abgewandt hat, einige sind noch geduldet, müssen aber abseits der anderen schlafen, dürfen nicht mit ihnen essen, ihre Kleidung separat waschen und was sie kochen, wird von den anderen nicht angerührt. Auf die Frage, ob ihre Familien wissen, welche Alltagshandlungen gefährlich und ansteckend sein können und welche nicht kommt die Antwort prompt: Nein. Die Gruppe erklärt uns, dass es zwar Schulungen für die Leiter des Dorfes gebe, das Wissen aber nicht bei den Menschen ankommt.

Sie erwarten sich viel von unserem Projekt – denn es gibt keinen Bereich ihres Lebens, in dem es nicht Bedarf für Verbesserung gibt. Gesundheit, Finanzen, Familie, … alles schafft Probleme.

Ihre Ausbildung im Schneiderei-Projekt ist ein Anfang – ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit und vielleicht ein erster Schritt in eine Zukunft mit weniger Sorgen!

Farming is Charming

Es ist immer ein kleines Event für die BewohnerInnen Ifakaras, wenn wir als Gruppe „Wazungu“ („Weiße“) mit den Fahrrädern unterwegs sind. Besonders die Kinder sind begeistert; sie lachen, winken und rufen uns „piga picha“ („mach ein Foto“) zu. Barfuß und oft mit zerrissener Kleidung sitzen sie am Straßenrand und doch strahlt das Lächeln aus den schmutzigen Gesichtern.

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Wir sind unterwegs nach Katindiuka, einem Ortsteil von Ifakara, indem es besonders viele Felder gibt. Unser Ziel ist die Primary School und schon kommt sie in Sicht- v.a. aber in Hörweite. Wir hören Frauen singen und das traditionelle Freudengeschrei „Kigelegele“. Es sind die Frauen aus unserem Landwirtschaftsprojekt, die uns überschwänglich singend, tanzend und schreiend begrüßen. Der Staub wirbelt um die Frauen in ihren bunten Tüchern und jede der Bäuerinnen begrüßt uns mit Handschlag. Nach einem kurzen Blick auf die Baustelle an der Schule (ein neuer Klassenraum entsteht hier, dank der Sammelaktion des BRG/BORG-Landeck), die wir aber ein anderes Mal mit dem Schuldirektor besuchen werden, setzen wir uns in eine der Klassen.

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Die 14 Frauen beginnen zu erzählen. Seit Jahresanfang sind sie in unserem Landwirtschaftsprojekt „Farming is Charming“, das dank der großzügigen Spende der Firma „Landmaschinen Mayer“/“Siloking“ aus Tittmoning begonnen hat. In diesem Projekt wird für jede der Frauen 1ha Ackerland mit neuen Anbaumethoden, gezielter Düngung und Schädlingsbekämpfung bearbeitet. Zusätzlich bekommen die Frauen Schulungen zu diesen Themen. 3 Jahre lang bleibt jede Frau im Projekt, und jedes Jahr erhöht sich der Eigenbetrag, den sie selbst einbringen. Jetzt ist es Zeit für die erste Ernte und damit für eine Zwischenbilanz. Mehr als die Hälfte aller Teilnehmerinnen haben bereits geerntet, die anderen sind gerade dabei zu ernten. Wir sind gespannt, wie der erste Zwischenstand ausfällt …

Sie erzählen uns von den Überschwemmungen im heurigen Jahr, die die Ernte vieler Menschen komplett vernichtet haben – für viele die absolute Katastrophe!

„Unsere“ Frauen aber ziehen eine andere Bilanz: Stolz erzählen sie uns von ihren Erfolgen! Bis zu 2,5mal so viel haben sie ernten können! Die Freude darüber ist riesengroß. In einem Jahr, indem fast alle Verluste hinnehmen mussten, haben sie eine Steigerung ihres Einkommens geschafft.  Es ist bewegend und beeindruckend zu hören, was einige der Frauen zu erzählen haben. Fast alle von ihnen sind Witwen oder Alleinerzieherinnen und damit ist ihr Einkommen gleichzeitig das Familieneinkommen.  Immer wieder beginnt das Freudengeschrei während der Erzählungen zwischen den Erzählungen.

Amina ist eine der Frauen mit der ertragreichsten Ernte. Die 2-fache Mutter erzählt uns, was sich für sie verändert hat. Vor dem Projekt hat sie eine Mahlzeit am Tag einnehmen können – jetzt sind es 3! Solche und ähnliche Geschichten hören wir von jeder Bäuerin. Inzwischen haben sie sogar begonnen einen Teil ihres zusätzlichen Einkommens zu sparen – jede Woche zahlen sie etwas in eine gemeinsame Kasse ein, aus der sich jede Frau einen Kredit geben lassen kann, der mit Zinsen zurück gezahlt wird.

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Die Freude über unseren Besuch ist groß – gerne berichten die Frauen, was sich in den letzten Monaten getan hat und sie bedanken sich überschwänglich, auch mit Geschenken für uns und den Hauptsponsor „Landmaschinen Mayer“ in Deutschland.  Singend und tanzend werden wir zu unseren Fahrrädern begleitet.

Solche Begegnungen, solche Ergebnisse – das sind ganz besondere Momente, die uns zeigen: Auch mit kleinen Mitteln kann man für einzelne Menschen große Veränderungen herbeiführen. Ein großes „ASANTE“ („DANKE“) an unsere UnterstützerInnen!

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Lernen sich seine eigenen Träume zurecht zu schneidern

Ein Gastkommentar von René Siegele

Nachdem uns Moses gestern bereits mit einem bis Sonntag durchgeplanten „Timetable“ ins Staunen versetzt hat, bekamen wir heute Vormittag einen Einblick in das hervorragend geführte Office der „Freunde von Ifakara“. Faidha und Moses stellten dabei ihre Projekte vor und berichteten äußerst detailliert von ihren Tätigkeiten und auch Träumen für die Zukunft. Allein bei den Berichten wurde uns allen klar, dass sowohl Faidha als auch Moses einerseits ihr Herzblut in ihre Aufgaben stecken und andererseits dankbar sind, dass ihnen durch den Verein diese Chance gegeben wird. Im Gespräch mit uns machten sie auch deutlich, welche Ergebnisse sie bereits in kurzer Zeit erreicht hatten und wie weiter daran gearbeitet werden kann, diese Erfolge und die Umsetzung ihrer Träume zu vergrößern.

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Besonderen Eindruck erweckten die von Faidha erarbeiteten Grafiken zum Thema „Ursachen und Umgang mit HIV“. Johannes erhielt von Moses aber auch eine detaillierte Budgetaufstellung mit Rechnungen zu allen Ausgaben betreffend das Landwirtschaftsprojekt. Moses berichtete uns von seiner durchgeführten Umfrage bei den unterrichteten Frauen, aus der sich ergibt, dass teilweise eine Steigerung der Ernte auf das 1,5-fache erzielt werden konnte – bei gleicher Anbaufläche.

Gegen Ende des Informationsaustausches übergab Johannes die Gastgeschenke – hier ist es üblich, dass Gäste ihren GastgeberInnen Geschenke mitbringen. Von Jutta aus Bayern konnte er die „real gewordenen Träume“ übergeben. Aber besonders freute sich Faidha über den traditionellen Trachtenschmuck aus Europa. Moses muss mit seinem Landwirtschaftsprojekt natürlich sehr viel Zeit draußen im Gelände verbringen. Da kommen die neuen Bergschuhe gerade richtig und er  hat nun festes Schuhwerk um auf dem nicht immer einfachen Boden der Tatsachen in Ifakara sicher aufzutreten.

 

Nach dem typischen Mittagessen (v.a. Reis) und einem richtig guten Kaffee von Barista Martin machten wir uns nachmittags auf den Weg um das von Faidha geleitete Schneidereiprojekt zu begutachten. Moses hatte für uns Fahrräder organisiert und so schlängelte sich unser Trupp unter seiner Führung durch den noch gewöhnungsbedürftigen Linksverkehr.

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Da Faidhas Zuhause auf dem Weg lag, konnten wir so auch noch ihre Familie und ihre süße zweijährige Tochter Aida kennenlernen. Für eine alleinerziehende Mutter ist es in Tansania nicht einfach ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und jede Hilfe ist willkommen.

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Etwas später waren wir angekommen. Uns erwarteten circa 15 Frauen und der Besitzer der Schneiderei. Bei diesem Projekt werden HIV-infizierte Frauen als Schneiderinnen eingearbeitet und ihnen dadurch die Möglichkeit gegeben, Geld für Nahrung, Kleidung  oder ihre Familie zu verdienen.

Kaum angekommen wurden uns die ersten Erzeugnisse unter die Nase gehalten und später auch als Geschenk an Carina und Petra übergeben. Nach einer überschwänglichen Begrüßung und Vorstellung führte Petra mit Moses Unterstützung ein paar Interviews mit einzelnen Frauen. Durchwegs konnte heraus gehört werden, dass die Frauen froh sind, durch diese Arbeit ihre Familien unterstützen zu können und wieder ein wichtiges Mitglied der Familie zu sein. Meist kommt es nämlich vor, dass die HIV-Infizierten von ihrer Familie regelrecht ausgeschlossen und komplett allein gelassen werden.

Im Gespräch mit der Gruppe konnte Barbara auch gleich ihre Erfahrungen einbringen es wurden ihre Nähtipps von der wissbegierigen Truppe regelrecht aufgesaugt und gleich in die Tat umgesetzt. Zu sehen, mit welchem Enthusiasmus hier alle bei der Sache sind, macht deutlich, dass dieses Projekt weiter gefördert und unterstützt werden muss.

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Wir sind gelandet und angekommen!

Nach einem langen, aber guten Flug sind wir gestern Nachmittag in Dar-es-Salaam gelandet.

Dar ist eine unglaublich geschäftige Stadt und versinkt im Verkehrschaos. DSCN8237

Nach mehreren Stunden im Stau haben wir es geschafft und sind im Mzimbasi Center angekommen. Zumindest war viel Platz im Auto …

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DSCN8239Heute um 4:45 Uhr war es dann soweit: endlich geht’s auf nach Ifakara! Dank der relativ guten Straßenverhältnisse (70 km sind zwar nicht geteert, aber frisch eingeebnet) waren wir schon nach 7 Stunden in Ifakara – eine sehr kurze Reise für die rund 450 km. Bei der Fahrt durch den Mikumi National Park, war eigentlich schon fast alles zu sehen, was die afrikanischen Steppe zu bieten hat: Antilopen, Zebras, Gnus, Paviane, Giraffen und natürlich Elefanten!

Aber auch Ifakara hat viel zu bieten: vor allem gute Freunde! Der Empfang war mehr als herzlich und schon während der Fahrt haben wir immer wieder Nachrichten bekommen, wo wir sind und wann wir ankommen werden. Viele altbekannte Gesichter und natürlich die beiden Angestellten unseres Vereins: Faidha und Moses.

Nach einem kurzen Mittagessen machen wir uns mit ihnen auf den Weg zum Markt – Obst, Gemüse, Schuhe aus alten Autoreifen … es ist laut, bunt und man hat das Gefühl in Afrika angekommen zu sein. Es ist das Afrika, das man sich vorstellt, aber irgendwie doch ganz anders. Fernsehbilder werden dem bunten Treiben nicht gerecht – es gibt wunderbares Obst und Gemüse und die kreativsten Wege vermeindlichen Müll zu verarbeiten, wie diese Flip-Flops aus alten Autoreifen!

Wir sind angekommen und freuen uns auf spannende Tage!

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Auf Wiedersehen Europa …. Afrika wir kommen!

Morgen ist es soweit: wir fliegen wieder nach Tansania!

 

Von einer wunderschönen Hochzeit gestern Abend – ganz im Zeichen der Trachten – machen wir uns morgen Abend auf den Weg nach Tansania ….

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… und auch diesmal wird die Reise wieder über diesen Blog mit zu verfolgen sein (soweit es das Stromnetz zulässt). Wir freuen uns auf viele spannende Begegnungen und sind gespannt, was sich in unseren Projekten seit Herbst getan hat!

 

 

Aber zuerst muss gepackt werden … noch ist nicht alles in den Reisetaschen, aber ein Anfang ist gemacht!

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Und dank der Erinnerung eines lieben Kollegen ist auch die Zahnbürste dabei! Danke, Thomas!

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