Gedanken auf einer Reise in ein fremdes Land…

Gastkommentar von Barbara Zehetner

Wenn man sich auf den Weg in ein fremdes Land macht und hier einige Zeit verbringt, gehen einem sehr viele Gedanken durch den Kopf. Die neuen Eindrücke, die jede Minute auf mich einwirken, lassen mich über so manches nachdenken. Geprägt durch unsere Kultur in Mitteleuropa ist man sehr schnell verleitet das Fremde mit dem Bekannten, also mit unserem Leben in Österreich zu vergleichen. Aber kann man zwei so unterschiedliche Länder miteinander vergleichen? Meine Antwort darauf ist ganz klar NEIN. Denn wenn man etwas miteinander vergleicht, ist die Gefahr sehr hoch, dass man in „Gut“ und „Schlecht“ denkt. Vielmehr muss man sich Gedanken darüber machen, was die Voraussetzungen sind, die jede Gesellschaft mit sich bringt. Wenn ich da an mein Leben denke, darf ich ganz klar feststellen, dass ich weltweit gesehen zu einem geringen Prozentsatz von Menschen gehöre, die täglich genügend Nahrung zur Verfügung haben, die eine angenehme Wohnsituation vorfinden, die Möglichkeit auf Ausbildung und Bildung, sowie medizinische Versorgung haben und die in einem demokratischen Staat mit einer friedlichen politischen Situation leben. Hier in Tansania ist es leider nicht selbstverständlich, dass Eltern ihren Kindern und sich selbst genügend Nahrung bieten können, dass sie bei Krankheit die nötige medizinische Versorgung in Anspruch nehmen können und dass sie wissen, dass sie ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen können. Und genau das macht den Unterschied aus. Es ist also nicht so, dass es „gute“ und „schlechte“ Kulturen, gibt, sondern dass jede Gesellschaft unterschiedliche Grundvoraussetzungen auf naturräumlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene mit sich bringt. Daher ist es für mich entscheidend, dass wir von zuhause aus nicht vorschnell über andere Kulturen urteilen (meist leider in negativer Weise), ohne den Unterschied in den Voraussetzungen zu hinterfragen und zu verstehen zu versuchen.

Alles schön und gut, aber warum geht das mich etwas an, wie es Menschen auf anderen Erdteilen geht? Diese Frage lässt sich in einer so vernetzten Welt, in der wir leben sehr einfach beantworten. Lass mich mal überlegen: Woher kommt eigentlich der Tee oder Kaffee, den ich täglich trinke, wer näht meine Kleider, die ich zuhause im Kleiderschrank habe, wer baut jene Rohstoffe ab, die für das Funktionieren meines Smartphones notwendig sind,…? Das sind natürlich nur wenige Beispiele, wie wir in unserem Leben mit Menschen überall auf der Welt verbunden sind. Denn diese Menschen produzieren Dinge für uns, die für uns ganz selbstverständlich sind. Und wenn wir etwas kritisch und ehrlich sind, dann wissen wir alle, dass nicht die einfachen Bauern und Bäuerinnen, FabriksarbeiterInnen und BergbauarbeiterInnen, sondern die zumeist westlichen Unternehmen vom weltweiten Handel profitieren.

In den vergangenen Tagen hatte ich die Möglichkeit einen sehr guten Einblick in die Projekte des Vereins „Freunde von Ifakara“ zu gewinnen. Ich ziehe den Hut vor jenen Menschen, die aus tiefster Überzeugung versuchen, andere zu unterstützen. Es ist beindruckend zu sehen, wie sie durch ihre Hilfe, den Menschen hier die Möglichkeit auf eine bessere Zukunft für sich und die Familie geben. Aber ich schätze nicht nur die ProjektmitarbeiterInnen, sondern auch jene, die von zuhause aus bereit sind, die Menschen hier in Ifakara mit einer finanziellen Spende zu unterstützen. Mich beeindruckt die Einstellung, dass es nicht selbstverständlich ist, nur von anderen Gesellschaften zu nehmen, sondern auch zu geben.

Daher ist es für mich sehr wichtig, dass wir uns – in einer so vernetzten Welt- Gedanken über das Fremde machen und uns nicht aus der Verantwortung nehmen, jene Menschen, die nicht die Grundvoraussetzungen vorfinden, wie wir sie haben, zu schätzen, zu unterstützen und nicht zu verurteilen.

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