Wir verabschieden uns aus Tansania. Unsere diesjährige Reise geht morgen zu Ende und es geht zurück nach Europa. Einige ereignisreiche Wochen liegen hinter uns, voller bewegender und spannender Momente und Begegnungen. Viele Menschen mit ihren Geschichten, Schicksalen und ihren Erfolgen durften wir treffen. Unser Leben wurde einmal mehr bunter und reicher und doch lassen uns viele Erinnerungen auch jetzt noch Innehalten und nachdenklich werden. Wir schließen unsere Erfahrungen hier mit ein paar Gedanken zum Thema „Helfen“ und freuen uns, dass der Blog in Zukunft regelmäßig aus Europa von Johannes Lanser und aus Tansania von Moses Subert mit Neuigkeiten rund um die Projekte in Ifakara befüllt wird und kein reiner Reiseblog mehr ist. Darum bitte dran bleiben, ab September gibt es einen Neustart hier im neuen, veränderten Projekt-Blog.
Helfen gehört wohl zu den schwierigsten Dingen auf der Welt. Denn es birgt immer die Gefahr, dass dabei eine Seite stark und mächtig ist und die andere Seite klein und machtlos wird. Der/die HelferIn mag aus den nobelsten Motiven heraus handeln – für die empfangende Seite wird die Lage auf Dauer aber immer aussichtloser. Die Spirale von Hilflosigkeit und Machtlosigkeit führt schließlich zu Abhängigkeit und Resignation.
Aus diesem Gefühl heraus kann wohl nur in seltenen Ausnahmefällen etwas Neues, Positives entstehen. Es herrscht Stillstand.
Es reichen aber oft schon kleine Starthilfen auf Augenhöhe, die den Glauben in die eigenen Fähigkeiten und Kräfte wieder aktivieren können. Und mit jedem kleinen Erfolg steigt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Und genau das durften wir in den letzten Wochen bei unseren Treffen mit Menschen in unseren Projekten erleben: viele Frauen und Jugendliche, die wieder Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein entwickelt haben und uns von neuen Ideen erzählt haben. Menschen, die begonnen haben, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und aktiv ihre Pläne zu verwirklichen.
Nein, helfen ist nicht einfach. Aber unter Freunden sollte es auf der gleichen Ebene passieren.
Danke an alle FreundInnen von Ifakara für ihre Unterstützung auf Augenhöhe.
Asanteni sana!
Und dann sitzen wir im Innenhof des Hauses. Die Mutter des Mädchens hat und freundlich begrüßt, weiß aber nicht so recht, was sie jetzt mit uns anfangen soll und warum wir eigentlich da sind – sie lächelt etwas verlegen. Eine ihrer Nichten macht gerade den Abwasch in einer Plastikwanne und wirft uns skeptische Blicke zu. Eine ihrer Schwestern ist unterwegs um die junge Schülerin zu holen. Und als sie kommt und wir mit Hilfe von Moses Subert und des Lehrers erklären, dass uns Johari im Unterricht so positiv aufgefallen ist, da kann die Mutter den Stolz auf die Tochter nicht verbergen. Sie lächelt und auch die anderen Frauen der Familie, die sich um uns versammelt haben hören aufmerksam und mit einem gewissen Stolz zu. Ja, das Mädchen ist gut in der Schule, das wissen sie. Trotzdem wird das Geld für den weiteren Schulbesuch nicht reichen, erklärt uns die Mutter. Sie leben von der Landwirtschaft und ihr Mann hat insgesamt 14 Kinder. Er ist mit mehreren Frauen verheiratet und so muss die Mutter mit wenig Unterstützung auskommen. Journalistin möchte das Mädchen gerne werden, wenn das nicht klappt Krankenschwester. Das Lächeln der Mutter verschwindet, als ihre Tochter uns das erzählt. Das erscheint ihr in weiter Ferne, wenn nicht einmal das Geld zum Beenden der Schule da ist. Als wir unsere Angebot der Unterstützung unterbreiten sehen uns die Frauen etwas ungläubig an. Sie haben nie daran gedacht, dass ihnen eine Organisation aus Europa helfen würde. Wir erklären, dass für uns nicht die Religion zählt, sondern, dass wir Menschen in Ifakara ungeachtet ihres Glaubens unterstützen und dass ihre Tochter das Potential hat es weit zu bringen. Das Mädchen blickt stumm auf ihre Finger, sieht dann verstohlen zur Mutter. Und da ist das Lächeln wieder auf dem Gesicht der Frau und die Tochter atmet sichtlich auf.
Der Strand ist wunderschön. Der tief blaue Ozean zeichnet sich hinter den Palmen ab, der weiße Sandstrand mit den Sonnenschirmen liegt vor uns – Urlaubsparadies und Idylle.











Immer wieder taucht diese Frage auf, wenn wir von unseren Projekten sprechen: Warum arbeitet ihr denn so oft nur mit den Frauen?
