Was heißt das jetzt konkret?

Was heißt es für eine Frau in Katindiuka/Ifakara bei unserem landwirtschaftlichen Projekt dabei zu sein? Das haben uns die Frauen in Katindiuka sehr anschaulich gezeigt.

????????

Salma ist eine einfache Frau, ohne große Schulbildung. Mit ihrem Sohn lebt sie in einem kleinen Haus, mit nur einem Raum, gleich gegenüber vom Haus ihrer Eltern. Sie ist Alleinerzieherin und das ist nicht immer einfach, denn das zusätzliche Geld könnte sie gut gebrauchen – Unterhaltszahlungen gibt es hier nicht. In den letzten Jahren hat sie einen Sack Reis von ihrem einzigen Feld geerntet, also ca. 100kg. Das hat gereicht sagt sie, gereicht um sie und das Kind zu ernähren. Für mehr allerdings nicht und so musste sie sich schon für Kleidung oder Arztbesuche Geld leihen.

Im Haus sehen wir keine Reissäcke – wo ist die Ernte? Sie lächelt und sieht uns nicht an als sie sagt, dass ihr Haus zu klein war um die ganze Ernte aufzunehmen, die Ernte habe sie im Haus ihrer Eltern untergebracht. Stolz ist sie darauf, das sagen zu können und auch ihre Mutter, die seit Kurzem Witwe ist, ist stolz auf ihre Tochter. 5 Säcke Reis sind es dieses Jahr – 1 Sack als Nahrung für sie und ihren Sohn, der Rest kann verkauft werden und ermöglicht ihr das, was sie als Wohlstand ansieht: Medikamente, Seife und Kleidung kaufen können und vielleicht auch ab und zu etwas Gemüse oder sogar Fleisch. Dieses Jahr gibt es nicht ausschließlich Reis zu essen!

????????

 

Ziegen, Kühe, usw

????????

Unser Projekt „SponsorSheep“ erfreut sich großer Beliebtheit. Viele haben uns dabei unterstützt und uns Spenden im Wert von Ziegen/Schafen/Schweinen (20€), Hühnern/Enten (5€) oder sogar Kühen (150€) anvertraut. Einige der Tiere durften wir besuchen – und einmal mehr waren wir auch bei unserer „Pilotgruppe“, einer Gemeinschaft von Frauen rund um Mama Mgaya, die vor 5 Jahren 2 Ziegen von uns bekommen haben. 28 (!) Ziegen waren es heuer schon – einen Teil davon haben sie verkauft oder auch an andere Gruppen weitergegeben. Die Tiere leben in kleinen Gruppen bei den einzelnen Familien der Gemeinschaft um Inzucht zu vermeiden. Eines unserer Vereinsmitglieder, der auch als tierärztlicher Berater fungiert, ist auch bei dieser Reise mit dabei – Martin Aigner, arbeitet in Bayern als Tierarzt und ist selbst Schafhalter. Die Frauen und Männer aus dem Ziegenprojekt sind aufgeregt, denn heute steht eine Lektion in Klauenpflege bei der Ziege an und zwar am lebenden „Objekt“. Warum man die Klauen (für die Nicht-Landwirte: „Hufe“) zurückschneiden muss ist nicht sofort für alle klar, darum gibt es zuerst mal die Theorie dazu: Fehlstellungen, Gelenksentzündungen, Geschwüre und dadurch andauernde Schmerzen können die Folgen sein, wenn die Klauenpflege vernachlässigt wird. Martin führt langsam und geduldig vor, wie’s gemacht wird und er hat auch die nötigen Werkzeuge mitgebracht, die groß bestaunt werden – sowas hat hier noch niemand gesehen. Und seine SchülerInnen stellen sich gleich recht geschickt an und freuen sich darüber, dass ihre Ziegen nun wieder gerade stehen.

???????? ???????? ????????

Auch 2 andere Mitreisende freuen sich: Barbara Zehetner und Petra Eisenknapp arbeiten beide als Lehrerinnen am Akademischen Gymnasium in Salzburg und in den letzten Jahren gab es an dieser Schule gleich mehrere großartige Sammelaktionen für dieses Projekt. Mehrmals von der 6e (mit Prof. Brigit Mooshammer) und heuer auch von der 3b (mit Prof. Barbara Zehetner). Schön, dass Barbara und Petra in Vertretung ihrer SchülerInnen neue Ziegen aussuchen und weitergeben können! Vielen Dank für den großen Einsatz der SchülerInnen und Lehrerinnen!

????????

Nachtrag: Im Jugenzentrum

Bevor es an die Heimreise geht, wollen wir noch etwas über unsere Arbeit im Jugendzentrum berichten. Seit ungefähr einem Jahr bieten wir Schüler und Schülerinnen aus Ifakara Nachhilfeunterricht in den wichtigsten Schulfächern an. Dafür wurden zwei Medizinstudenten engagiert, um den Jugendlichen zehn Stunden wöchentlich bei Fragen zu helfen, da für viele von ihnen noch einiges unklar ist, auch nachdem es in der Schule besprochen wurde.

P1010791

So treffen sich in der Regel 30 bis 40 Jugendlich im Jugendzentrum, um ihre Kenntnisse in Englisch, Mathematik, Kisuaheli, Biologie, Geographie etc. zu verbessern. Die letzten Wochen bekamen die Nachhilfelehrer des Jugendzentrums Unterstützung aus Deutschland. Unser Freund Jeremias A. hatte sich bereit erklärt Englischnachhilfe anzubieten und so half er Montag bis Freitag für eine Stunde bei Fragen zu Grammatik und Textverständnis. Gespannt hörten die SchülerInnen seinen Erklärungen zu, denn nicht jeden Tag werden sie von einem “mzungu “(= Weißer) unterrichtet.

P1010788

Dar es Salaam

Wir sind in Dar und die Stadt ist ein einziges Verkehrschaos! Stundenlange Staus, unzählige Autos, Motorräder, Fahrräder, FußgängerInnen, Handkarren, … und alles geht drüber und drunter!

Heute haben wir Zeit mit den Dingen zu beginnen, die auf Grund von technischen Gebrechen, Internetverbindung oder Zeit den Weg in den Blog nicht geschafft haben!

Gleich zu Beginn: Das Tierspendenprojekt “SponsorSheep”. Viele Einzelpersonen, Familien und auch eine Schulklasse des akademischen Gymnasiums Salzburg (danke an Frau Prof. Birgit Mosshammer und die letztjährige 5e!) haben im letzten Jahr dieses Projekt unterstützt. Eure Spenden sind angekommen!

Die ersten Tiere haben wir schon anschaffen können, im Jänner gibt es dann gemeinsam mit dem Projektkoordinator Moses die ersten Schulungen zur richtigen Haltung der Tiere – dann folgt der Rest!

Ganz egal ob Schafe, Ziegen, Schweine, Kühe, Hühner oder Enten – die Tiere sollen es so gut wie möglich haben und ihre neuen BesitzerInnen sollen lernen wie man sie richtig hält.

Ob für eine Familie, eine Dorfgemeinschaft, eine Frauengemeinschaft oder eine alleinerziehende Mutter – für sie alle heißt Viehhaltung nicht nur ein Zusatzeinkommen, sondern auch ein “lebendiges Sparbuch”. Sonderausgaben wie Krankenhausaufenthalte, Medikamente usw. können endlich selbst bezahlt werden!

https://freundevonifakara.wordpress.com/2013/10/22/ziegen-als-sparbuch/

A (23)I (25) I (5) L1010291

Baustart!

K1024_DSC_0121Ich bin wieder in Katindiuka, in der Grundschule – seit gestern hat sich hier einiges getan, denn heute sind die Bauarbeiten für das neue Klassenzimmer losgegangen! Ich freue mich mit dem Dorf und der Schule!

Im Moment sitzen bis zu 93 (!) SchülerInnen in einer Klasse, weil das Geld zum Bau neuer Räume fehlt – das BRG Landeck wollte das nicht so hinnehmen! Mit großer Unterstützung vieler, vieler LehrerInnen und SchülerInnne (besonders der jetzigen 4. Klassen) haben sie es geschafft das Geld für einen Klassenraum und sogar noch mehr zu sammeln. Ein RIESEN Danke dafür kommt aus Ifakara zu euch!

Es ist etwas ganz Besonderes, so ein Projekt begleiten zu dürfen und ich freuen mich sehr, dass ich im BRG sein durfte und meine Bilder, Geschichten und Eindrücke aus Ifakara mit euch allen teilen durfte – und dann war da euer wirklich toller Abschluss! Hier in Katindiuka habe ich einen fast genauso herzlichen Empfang. Die Kinder freuen sich, dass so endlich weniger SchülerInnen in einer Klasse sitzen müssen und sie so besser lernen können!

Alle freuen sich sehr und alle Dorf-Vorsitzenden sind gekommen um sich zu bedanken und ihre Freude zu zeigen – sie haben als Eigenbeitrag Ziegelsteine und Sand geliefert und jetzt gehen die Bauarbeiten los – wir können es kaum erwarten!

K1024_DSC_0117

Ikea in Ifakara?

K1024_DSC_0104

Produziert Ikea neuerdings in der Berufsschule Ifakara? Sind das Bestandteile für Ivar, Billy oder Expedit?

Was verbirgt sich hinter dieser mysteriösen Konstruktion? Vielleicht kann und eine niederländische Ärztin einen Tipp geben?

K1024_DSC_0170

 

 

Ja, es ist ein Kaninchenstall 😉 Wie man deutlich erkennen kann! Heute war es soweit – in der Berufsschule “St. Joseph” in Ifakara gingen die ersten Kaninchenställe (designed by Aigner) in Produktion! Die ersten beiden Familien waren da und haben interessiert beobachtet was in der Werkstatt vor sich geht – neben der Aufsicht über den Bau, hat Jeremias sich auch noch als Experte für Haltung, Fütterung und Zucht der Tiere allen Fragen der zukünftigen Besitzerinnen gestellt. Die ersten Ställe und Tiere gehen an 2 Frauen in Ifakara, eine davon, Mama Mgaya, kennen wir bereits aus dem Ziegen-Projekt (https://freundevonifakara.wordpress.com/2013/10/22/ziegen-als-sparbuch/), die andere, Andresa, hat sich mit HIV infiziert und möchte ihren Kindern ein Einkommen für die Zukunft sichern (https://freundevonifakara.wordpress.com/2013/10/23/nur-die-hoffnung-bleibt/). Die beiden Frauen haben sich sehr für unsere Idee interessiert und werden einander in der Anfangsphase helfen – eine hat Erfahrung in der Tierhaltung, die andere nicht. Sie kommen aus verschiedenen Dörfern, Stämmen und sozialen Schichten und doch haben sie sich beim Kennenlernen heute bestens verstanden.

Besonderer Dank für dieses Projekt geht an:

– Jeremias Aigner, für Planung, Konstruktionspläne, Aufsicht über den Bau, Einschulung für die Halterinnen und viele Arbeit!

– Gustav, den Helden der Werkstatt für seine Unterstützung und seine Motivation und die “Zusammenarbeit” (sein deutsches Lieblingswort)

– den Schülern der Schule und dem Personal der Werkstatt für Überstunden und Hilfe!

– den “Wazungu-Doctors”, unseren FreundInnen aus den Niederlanden und Deutschland, die sich nach getaner Arbeit im Krankenhaus in der Werkstatt betätigt haben!

Das Team!

Das Team!

Das Ergebnis!
Das Ergebnis!

 

 

“Ich bitte Gott um ein langes Leben für dich!”

Sie steht vor unserer Tür; eine große Frau, unsicher lächelnd gibt sie uns die Hand und fragt wer “Dschoane” sei. Ich stelle mich – Johannes – vor und frage was ich für sie tun kann. Sie sagt nur “Mimi Mama Baraka.” (“Ich bin Mama Baraka.”) Sie kommt um sich zu bedanken. Baraka ist einer der Schüler, der von uns ein Stipendium bekommt. Wir haben ihn letztes Jahr kennen gelernt und es war sofort klar, dass man jemand so klugen unterstützen muss. Das haben wir nur all zu gern übernommen. Seit einem Jahr nun, nachdem das Geld nicht gereicht hat für die Schulgebühren. Ein weiteres Jahr hat er noch vor sich.

Zum Glück haben wir gerade Besuch von einer tansanianischen Freundin, die für uns übersetzt. Mama Baraka spricht selbst kein Englisch und es ist ihr wichtig, dass wir verstehen was sie sagt. Das häufigste Wort ist “Asante”,”Danke”. Sie dankt dafür, dass ihr Sohn zum Schule gehen kann, dass er lernen kann, dass er glücklich ist. Er sei der Klügste in der Familie und viel interessierter daran zu Lernen als seine Geschwister. Sie arbeitet als Krankenschwester und kann sich die Schulgebühren nicht leisten und der Vater von Baraka sei insgesamt mit 4 Frauen verheiratet, zahle aber nur für die Kinder der Hauptfrau Unterhalt. Insgesamt hat ihr Mann 25 Kinder.

Und nun sitzen wir da mit dieser Frau, die ihr Leben lang gearbeitet hat, ihre Kinder großgezogen hat und leicht beschämt dafür dankt, dass wir das möglich machen, was für sie unmöglich war. Was sagt man darauf? “Wir tun das gern”? “Keine große Sache”? “Sie müssen mir nicht danken?” Es fehlen Worte. Ihr uns mir.

Ich sage ihr, dass wir uns darüber freuen, dass er so gute Erfolge erzielt, ich sage ihr, dass es schön ist jemanden unterstützen zu können, der so gerne lernt und so fleißig ist. Aber es fehlen die Worte.

Und dann kämpft sie mit den Tränen – als sie sich bedankt, für das was letztes Jahr knapp vor Weihnachten passiert ist. Für die Operation ihres Sohnes, der einen Tumor hatte. Rund 450 € hat die Operation und der Krankenhausaufenthalt gekostet. Geld, das über uns zu ihnen kam, von 2 Leuten aus Europa. 2 Freunde von Ifakara, die gesagt haben, anstatt uns gegenseitig etwas zu schenken, was wir nicht brauchen – schenken wir einem jungen Mann das was er braucht. Sie weiß nicht wie sie sich bedanken soll.

Immer wieder kommt nur der Satz “Ich bitte Gott um ein langes Leben für dich! Du hast meinem Sohn eine Chance gegeben!”

Sie steht auf und geht nach draußen und holt einen Sack voll Reis – einen kleinen, wie sie sagt – 15 kg! Dazu ein kleines Säckchen mit jungem, gerösteten Reis – etwas ganz Besonderes hier! Das sei das Mindeste meint sie, bedankt sich nochmals und wünscht uns eine gute Reise und ein langes Leben.

K1024_DSC_0093

 

PS: Die Frage des Abends: Wie bringen wir 15kg Reis in den Flieger????