“Nur” ein Tropfen auf den heißen Stein?

Heute folgen wir einer ganz besonderen Einladung: Maua Abdallah hat uns eingeladen.  Sie hat mit einem Stipendium unseres Vereins ihre Ausbildung zum Krankenschwester absolviert.  Im letzten Jahr hat sie ihren Abschluss gemacht, seither arbeitet sie im St. Francis Hospital in Ifakara. Sie hat uns besucht, als sie gehört hat,  dass wir in Ifakara sind und uns zum Mittagessen zu sich nach Hause eingeladen. Ein Besuch in einem tansanianianischen Zuhause ist immer etwas Besonderes. Einladungen sind sehr wichtig und oft stürzen sich die GastgeberInnen in Unkosten um ein Festmahl auf den Tisch zu zaubern.

Mit dem Hauch eines Lächelns,  den Blick leicht gesenkt,  steht die junge Frau vor unserer Unterkunft um uns abzuholen.  Wir machen uns auf den Weg zu der kleinen Wohnung, die Sie gemietet hat.  Schon am Eingang riecht es unbeschreiblich gut nach gekochtem Gemüse und Fleisch.  Das Wohnzimmer (neben der kleinen Küche und den beiden Schlafzimmern der einzige Raum der WG in der Maua mit einer Freundin lebt ) ist sehr üppig dekoriert – Kitsch ist hier kein Fremdwort – und wird dominiert von einem großen Kühlschrank.

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Wir nehmen Platz und das Essen wird schnell von unserer Gastgeberin serviert : Reis mit Zuckererbsen,  Amarantblättern und Rindfleisch.  Es schmeckt unbeschreiblich gut!
Bei Komplimenten sieht Maua zu Boden,  sie bedankt sich und wirkt erfreut und beschämt zugleich.  Beim Essen erzählt sie uns von ihrer Arbeit im Krankenhaus und nach dem Essen zeigt sie uns ihre Diplome als Krankenschwester und Hebamme.  Sie beginnt zu erzählen…
…von den Eltern,  der katholischen Mutter,  die in einem anderen Landesteil lebt und von dem muslimischen Vater,  der gestorben ist noch bevor sie ihre Ausbildung begonnen hat.
…von ihrer frühen Jugend und dem Gefühl der Perspektivenlosigkeit, das auch heute so viele Jugendliche hier spüren.
…davon wie sie schon für eine warme Mahlzeit und ein wenig Geld Beziehungen mit Männern eingegangen ist.
…von der viel zu frühen Heirat und der Geburt ihres Sohnes vor 12 Jahren und auch davon,  dass sie ihn alleine großgezogen hat.
…von der Arbeit als Köchin und ihrem Kampf um das Geld für die Ausbildung zur Krankenschwester zusammen zu bekommen,  die sie sich so sehe gewünscht hat.
…davon,  wie sie ihr Kochgeschirr verkauft hat um eine Anzahlung für die Schule zusammen zu bekommen.
…von dem Tag als sie gehört hat,  dass ihr Bewerbung für das Stipendium bei unserem Verein erfolgreich war.

Was sie mit ihrem ersten Gehalt gemacht hat?  Ihren Sohn in einer Schule angemeldet – in einem Internat,  weil sie während ihrer Arbeitszeiten niemanden hat,  der auf ihn aufpassen kann – Familie hat sie nicht in Ifakara.  Einmal im Monat fährt sie die rund 250km bzw.  4 Stunden um ihn kurz zu besuchen, aber in den Ferien kommt er ja Heim, meint sie.  So kann er eine Ausbildung abschließen. Stolz zeigt sie uns die Zeugnisse – sie lacht und strahlt übers ganze Gesicht,  wenn sie von ihm erzählt. Aber dann hält sie sich die Hand vors Gesicht – Tränen sollen wir nicht sehen… er fehlt ihr sehr.

30 ist sie jetzt und sie hat Pläne – mit dem kleinen Kredit, den sie aufgenommen hat, hat sie den Kühlschrank gekauft.  So kann sie jetzt Eiscreme herstellen und verkaufen – mit dem Gewinn hat Maua ein Grundstück gekauft auf dem schon im nächsten Jahr ihr Haus stehen soll.  Es ist alles genau geplant.

Wie das Stipendium ihr Leben  verändert hat fragen wir. Die Antwort: Es hat ALLES verändert – jetzt habe ich ein Leben – mein Leben.

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