Die Sache mit dem Regen

Regen ist wichtig. Ohne Wasser, kein Leben – eine einfache Rechnung.

Die Nahrungsgrundlage für die meisten Menschen in Ifakara ist Reis. Er ist das, was bei uns das sprichwörtliche tägliche Brot ist. Um Gris anbauen zu können, braucht es Regen, denn die Pflanzen gedeihen nur auf nassen Flächen. Regent es nicht,  ist die Ernte verloren. Viel Regen bedeutet aber wiederum andere Herausforderungen. Die Wege, Pfade und kleinen ungeteerten Straßen verwandeln sich in schlammige Hindernisse, die nur mir größter Mühe passiert werden können. Alles was zur Verfügung steht wird nun als Hilfsmittel zum Bau von Behelfsstegen oder Tritthilfen herangezogen. Vom Ziegelstein bis zum Stück Holz, vom Plastikeimer bis zum alten Autoreifen … alles kann benutzt werden.

Wie schnell die Situation sich hier verändern kann haben wir diese Woche gesehen. Nach einer Nacht Regen steigen die Flusspegel des Kilombero oft schon massiv und dad obwohl der Fluss schon ein Vielfaches der normalen Breite seines Flussbetts überschwemmt hat.

Fischer können nicht zu ihren gewohnten Fishgründen fahren. Sie suchen im nun überschwemmten Grasland rund um den Kilombero nach kleineren Fischen. Eine mühsame und durch die Krokodile auch gefährliche Arbeit, die leider kaum Ertrag bringt. Der Tagesumsatz reicht kaum zur Ernährung der Familie – eigentlich reicht er gar nicht.

Für die Landwirtinnen und Landwirte sind die Herausforderungen zum Teil nicht kleiner. Ganze Felder (vor allem mit Mais) verwandeln sich in Seen. Die Unvorhersehbarkeit ist hier das Hauptproblem. Wo im einen Jahr der Reis gedeiht,  kann im nächsten Jahr alles vertrocknet sein. Auf Flächen,  auf denen der Mais in diesem Jahr fleißig seine Kolben ausbildet, kann im Folgejahr ein Teich entstehen. Immer wieder zeigen uns die Menschen in Ifakara bei unseren Besuchen, welchen Herausforderungen sie hier ausgesetzt sind. Versicherungen für Ernteausfälle gibt es nicht. Wer nicht erntet, der hungert. Wenn wir nach Problemen fragen,  ist in den letzten Tagen die Antwort meist: “Hali ya hewa.”, das Wetter.

Diese Unvorhersehbarkeit der Regenfälle schafft in einem Land, das seine Jahreszeiten nicht wie wir in Frühling,  Sommer,  Herbst und Winter einteilen, sondern v.a. zwischen Trocken- und Regenzeiten unterscheidet, unglaubliche Herausforderungen.

Eine der Frauen, die uns von diesen Herausforderungen berichtet ist Mwajuma. Sie steht auf ihrem Maisfeld zwischen den Jungpflanzen, die sie im März ausgesät hat. “Kwa mikono.”, mit meinen Händen. Den Großteil der Arbeit auf den Feldern wird hier händisch erledigt. Auf dem Weg durchs Feld zupft sie immer wieder Unkraut aus – wenn man schon mal da ist, kann man auch solche Kleinigkeiten erledigen.

Mwajuma war die letzten Jahre eine der Frauen, die in unserem Sonnenblumenanbau Projekt gute Erfolge erzielt hat. Dieses Jahr wurden bisher keine Sonnenblumen Samen ausgegeben – die Regenzeit war zu unberechenbar.  Wenn sich alles gut entwickelt werden sie Ende Mai verteilt. Auf dem Feld, auf dem wir jetzt stehen hat sie vor 2 Jahren rund 500 kg Kerne geerntet, das entspricht ca 60 Liter Öl. Für den Eigenbedarf absolut ausreichend, sagt sie. Letztes Jahr hat die Flut alles mitgerissen, die Überschwemmungen waren verheerend. Sie hofft, dass es in diesem Jahr wieder besser wird und bald zwischen den Maisreihen auch Reihen von Sonnenblumen wachsen werden.

“Aber nicht nur die Samen waren wichtiger für mich. Ich habe auch gelernt, dass ich bei der Aussaat immer auf die Reihen achten muss. Vorher habe ich immer alles so angebaut, wie man es bei uns immer schon gemacht hat. Keine Neuerrungen. Aber der Ertrag ist mit der neuen Methode besser. Ich will Neues lernen, auch wenn ich nicht mehr kung bin.”, sie lacht beim letzten Satz.

Und so wirken Projekte nach, selbst wenn sie gerade nicht laufen und verbessern so Schritt für Schritt das Leben von Menschen.

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