Frauenpower macht Schule

Wir besuchen die “Shule ya msingi”, also die 7 jährige Grundschule, im Ortsteil Katindiuka. Bereits seit einigen Jahren unterstützen wir diese Schule. Die “kleineren” Schulen vor Ort in den Ortsteilen (hier spricht man von Dörfern) sind wichtig – die kürzeren Wege bedeuten, dass die Wahrscheinlichkeit des Schulbesuchs steigt, denn nicht alle Eltern sehen die große Bedeutung vom Schulbildung, können die Kinder als Hilfen auf den Feldern nicht entbehren oder habe einfach nicht das Geld für Schuluniformen, Bücher und Schreibmaterial.

Wir werden herzlich empfangen von Upendo,der Direktorin der Schule, und ihrer Stellvertreterin Rehema. Die beiden Lehrerinnen sind erpicht darauf uns ihren Arbeitsplatz zu zeigen

Es wird fleißig gebaut, nach wie vor. Einen Klassenraum konnten wir dank der Unterstützung der Familie Eisenknapp und dem akademischen Gymnasium Salzburg errichten- in Erinnerung an unsere viel zu früh verstorbene Unterstützerin, Freundin und Lehrerin Petra. Ihr Klassenraum ist besonders farbenfroh ausgestattet. Eine schöne Art in Erinnerung zu bleiben.

Das Klassenzimmer von Petra

Gleich daneben wird weiter gebaut – die Schule wächst und immer mehr Schülerinnen und Schüler wollen hier lernen, denn Katindiuka wird größer,  erzählen uns die Lehrkräfte. Wir unterstützen gerne, wenn es einen Eigenbeitrag der Schul- und Dorfgemeinschaft gibt. Zuerst muss eine Basis geschaffen werden, dann kann man über weitere Hilfen sprechen.

Weiter bauen …aber nur gemeinsam- Schule, Dorf, Eltern und Kinder und auch wir als Verein

Durch eine Tür hindurch führen sie uns in die Abschlussklasse. Die Schülerinnen und Schüler stehen sofort auf um uns zu begrüßen und erst als sie sich setzen ist zu erkennen, wieviele es tatsächlich sind. Mehr als 150 junge Menschen drängen sich in dem Klassenraum in übervolle Bänke. Zwar wurden mit unserer Hilfe neue Klassen gebaut,  aber der Zustrom reißt nicht ab und so sind derzeit in 9 Klassenräumen über 900 Schülerinnen und Schüler zu finden.

Besonders schwer sei es hier Examen oder Tests zu schreiben – das können wir uns vorstellen. Auch der Regelunterricht leidet, sagt der Klassenlehrer. “Wenn für Rückfragen 40 Hände nach oben gehen, kann ich nicht alle beantworten- ich würde nie neuen Stoff unterrichten können.”

Es stößt eine weitere Frau zu uns, als wir den Rundgang fortsetzen- sie hat sich beeilt her zu kommen, es ist Madam Tatu, eine der politischen Vertreterinnen des Dorfes. Sie freut sich, dass sie uns hier treffen kann und gemeinsam erzählen uns die Frauen von den Herausforderungen an der Schule und auch von ihren Lösungsversuchen und den gefundenen Lösungen.  Kein Gejammer – konstruktives Arbeiten.

Auch die Toiletten der Schule waren immer ein Problem – manchmal mussten die Kinder fast eine Stunde anstehen. 6 zusätzliche Toiletten haben sie mit unserer Unterstützung bauen können – ein großer Schritt in die richtige Richtung. 

Die neuen Toiletten- mit abpumpbaren Tanks. Bisher waren es nur Sickergruben.

Wir freuen uns  über die Entwicklungen hier und gratulieren den 3 Frauen.  Unser Kommentar,  dass diese Entwicklung wohl nur dadurch möglich war, dass hier nun die Frauen die Leitung haben, findet Anklang. Sie lachen alle 3 und fassen sich an den Händen. “Frauen sind jetzt überall, bis hin zur Präsidentin”, denn derzeit regiert zum ersten Mal eine Frau das ostafrikanische Land.

Wir fragen auch nach, wie es denn mit dem Thema Religion aussieht. Denn die Dorfvorsteherin ist Muslima, die Rektorin Christin. “Was soll das Probem sein? Oft sind hier sogar Familien gemischter Religionszugehörigkeit. Wir haben ein Ziel, wir arbeiten zusammen.”, erklären sie uns. Und weiter: “Das sind Probleme für andere – Politiker und Kirchen und Moscheen. Für uns hier im Dorf …ach, wir denken nicht darüber nach.”

Immer wieder erleben wir hier, dass gerade Frauen vor besonders großen Herausforderungen stehen und nach wie vor viel Benachteiligung erfahren. Und im Gesprächen mit Glaubensvertetern hören wir immer wieder von den Problemen mit “den anderen”. Umsomehr freut es uns, hier ein interreligiöses Team aus starken Frauen zu sehen, die gemeinsam an der Zukunft ihres Dorfes und ihrer Schule weiterbauen wollen – und damit an der Zukunft so vieler Kinder.

Dankbarkeit

Bei jeder Reise gibt es Begegnungen die uns ganz besonders berühren. Leo, jumapili tunapumzika kidogo – Heute am Sonntag ruhen wir ein Bisschen aus. Das gibt uns die Zeit auf die Begegnungen dieser ersten Woche seit unserer Abreise aus Deutschland zurückzublicken. Die Zeit heute möchte ich nutzen um euch von einer Begegnung der letzten Tage zu erzählen, die für uns ganz besonders war.

Wir sind unterwegs in einem der Dörfer um uns die Umsetzung der Geschäftsideen anzusehen, als Moses einen Anruf bekommt. Es ist die Mutter einer unserer Stipendiatinnen. Sie hat gehört, dass wir da sind und möchte sich mit uns treffen. Aber leider muss sie bald zu ihrem Reisfeld zum Ernten – das nimmt mehrere Tage in Anspruch und wie so oft hier, liegt das Feld weit außerhalb. Die Menschen schlafen dann direkt dort und nachdem alles Handarbeit ist, kann es dauern. Sie fragt darum, ob wir noch am selben Tag kommen könnten. Es ist nicht weit weg, also fahren wir hin.

An der Straße holt sie uns ab. Jonisia strahlt übers ganze Gesicht, als sie uns sieht und fällt uns um den Hals. “Wow … karibuni, karibuni sana” , lacht sie uns entgegen – willkommen, ihr seid sehr willkommen. Man sieht ihr an, dass sie sich wirklich freut, aber es fast etwas surreal für sie ist, uns zu sehen.

Sie führt uns über einen schmalen Pfad zu dem einfachen unverputzten Häuschen mit 3 kleinen Zimmern, in dem sie wohnt. Immer wieder lächelt sie uns an – wir sollen sie Mama Priska nennen. Hier ist es üblich, wenn man eines der Kinder kennt auch die Eltern mit diesem Namen und dem vorgestellten Mama/Baba anzusprechen.

Es ist ein einfaches kleines Haus in dem sie mit ihrer Tochter lebt. Nur sie beide leben hier und derzeit nur sie, denn die Tochter hat gerade durch unser Stipendium die Schule abschließen können und ist jetzt im verpflichtenden 3 monatigen Militärtraining. Priska möchte danach weiter studieren, wenn es geht pharmazeutische Assistentin werden, das würde ihr gefallen. ” Mungu akipenda”, so Gott will. Diesen Satz oder das muslimische Pendent “Insh’allah” hören wir oft hier. Meist, wenn es um Pläne geht, die Geld erfordern, das nicht vorhanden ist.

Die Mutter ist stolz auf ihre Tochter, kramt für uns auch die einzigen Bilder heraus, die sie von ihr hat – der erste Tag im Kindergarten und die Erstkommunion.

Priska am ersten Kindergartentag

Der Vater hatte sich nicht für das Kind interessiert, er war sofort weg, als er von der Schwangerschaft erfahren hat. Leider keine Seltenheit und Unterhaltsregelungen gibt es nicht. Alleinerziehende Frauen sind auf sich allein gestellt. Und sie erzählt uns, dass auch ihre Eltern sie aus dem Haus gejagt haben, als sie davon erfahren haben.

Mama Priska selbst hat nur die 7 jährige Grundschule absolviert und durfte nach langem Betteln dann eine Berufsausbildung als Weberin machen. Sie lebt nun vom Ertrag der kleinen Felder und arbeitet in einer Weberei – eine Genossenschaft von 35 Frauen, die wir später besuchen werden. Auf die Frage, ob sie gerne lieber weiter zur Schule gegangen wäre, sieht sie mit einem verlegenen Lachen zu Boden. “Ndiyo”, ja. Aber das war undenkbar. Der Vater hätte das nicht erlaubt und Geld wäre auch nicht vorhanden gewesen.

Eine selbst gewebte Decke hängt sie uns um – ein Geschenk. Es kommt für sie nicht in Frage, dass wir sie bezahlen. “Ihr habt so viel getan für uns. Meine Tochter konnte zur Schule gehen. Wenn man ein Kind hat und man kann seine großen Wünsche nicht erfüllen…es ist traurig. Ihr habt das für uns gemacht.” Und immer wieder sagt sie “danke, ich danke euch.”

Die Bescheidenheit und Dankbarkeit beschämt uns. Diese Frau arbeitet hart um ihr Leben bestreiten zu können und ihr Kind zu unterstützen und doch ist es nie genug. Ihr einziges Ziel: der Tochter das Leben zu ermöglichen, das ihr verwehrt geblieben ist. Wir werden versuchen in weiteren Projekten mit ihr zu arbeiten.

Sie begleitet uns zurück zum Auto, hält unsere Hand auf dem Weg. Ein stummes letztes “Danke”.

Der Sonne entgegen…

Für lange Zeit war Ifakara vom Reisanbau geprägt. Durch den Klimawandel wird der aber immer schwieriger – Regenfälle werden unregelmäßiger oder fallen ganz aus. Es ist kein Verlass mehr auf die Regenzeit.

Das stellt alle vor Herausforderungen, denn das gewohnte und auf den elterlichen Feldern Erlernte gilt nun nicht mehr.

Weil auch unser Verein diese Probeme wahrnimmt, haben wir unsere Projekte im landwirtschaftlichen Bereich nachjustiert. Immer mehr fördern auch wir Alternativen zum Reisanbau – zum Beispiel den Anbau von Sonnenblumen. Die kommen mit weniger Wasser aus und gedeihen im warmen Klima Tansanias auch ohne Düngung und Bewässerung.

Ein großer Teil des Speiseöls wird in Tansania importiert. In den letzten Jahren wurde die Importware immer teurer und nachdem beim Kochen hier viel frittiert wird, ist das Öl ein wichtiger Teil der Ernährung.

Auch die Regierung hat das erkannt und kooperiert mit uns in einem Projekt, in dem wir Landwirtinnen und Landwirten Saatgut für die Sonnenblumen zur Verfügung stellen, um auszuprobieren, ob sie auf ihren Feldern gedeihen.  Die Anfänge sind vielversprechend, sogar sehr vielversprechend. Fast alle können nicht nur ihren jährlichen Eigenbedarf decken, sondern auch noch einiges an Öl verkaufen. Und die Rest der Kerne nach dem Pressen eigenen sich hervorragend als Tierfutter. Bisher haben einige Bauern diese Pressreste sogar aus anderen Landesteilen nach Ifakara geholt, um sie zu verfüttern.

Betsai, Johannes und Moses im Sonnenblumenfeld

Das erklärt uns der Bauer Betsai, der uns heute stolz seine Felder zeigt. Früher sind sie nach der Maisernte brach gelegen. Jetzt nutzt er sie direkt im Anschluss für seine Sonnenblumen. Er sagt, dass der Boden dadurch weniger durch Erosion geschädigt wird. Das 2. Jahr in Folge planzt er die “alizeti” nun, wie man die Pflanzen hier nennt. Und er beginnt zu experimentieren …was, wenn er die Maiskolben zwar erntet, aber die Pflanzen auf dem Feld belässt und die Sonnenblumen dazwischen wachsen? Es sieht so aus, als wäre es für den Feutigkeitsgehalt der Erde von Vorteil, meint er. Dieses Interesse weiter auszuprobieren und so zu versuchen, bessere Ergebnisse zu erzielen, das kommt aus dem Projekt und der Beratung, die er erhalten hat, erzählt er uns mit einem Lächeln im Gesicht. Er ist stolz darauf, was er hier erreicht und erwirtschaftet. Gut 120 Liter Öl erwartet er von diesem Feld allein. Das ist ein großer Erfolg für ihn und noch dazu ein Einkommen zusätzlich zu seinen bisherigen Ernteerträgen – die bestehen weiter, da sich die Anbauzeiten nicht überschneiden und die Sonnenblumen als Folgefrucht angebaut werden. Er freut sich, dass andere bei ihm nachfragen, wie er das geschafft hat und ob er nächstes Jahr Samen an sie verkaufen wird. So geht es langsam weiter ….immer der Sonne entgegen.

Sonnenblumen zwischen den abgeernteten Maispflanzen

Einziges Problem mit den Sonnenblumen: die derzeitige Ölpresse ist alt und von schlechter Qualität. Darum fahren viele weit, um besseres Öl zu bekommen. Immer wieder taucht also die Frage nach einer neuen Presse auf, damit mehr der Wertschöpfung in der Region bleibt.

Das bringt uns natürlich zum Nachdenken und träumen,  was wohl hier mit eurer Hilfe noch alles möglich wäre.

Erfolg mit kleinen Geschäften

Ein Teil der Projekte unseres Vereins sind auch Hilfen bei Existenzgründungen bzw die Hilfe bei der Gründung von kleinen Geschäften. Kioske, Bauprojekt zur Vermietung, Tierhaltung, Gärtnern und Gemüseanbau, …Die Liste der Projeke, die so über die Jahre umgesetzt werden konnten hat doch eine beachtliche Länge.

Heute haben wir gleich mehrere besuchen dürfen. Und auch den Erfolg gesehen, der daraus entstehen kann.

Oskar hat schon vor einigen Jahren angefangen mit einem kleinen Läden für Kitenge – Stoffe, die zur Herstellung von Kleidungsstücken mit traditionellen Mustern benutzt werden.  Zusätzlich ist er nun auch in der Hühnerzucht aktiv. Und die Küken können nach ca 3 Monaten verkauft werden. Die Ausstattung für die Hühnerhaltung wurde mit dem Startkapital des Vereins angeschafft. Mit etwas zusätzlicher Hilfe hat er für sich und seine Familie ein tolles Haus bauen können, das er uns heute stolz zeigt. Die Kinder haben alle eine Ausbildung,  die jüngste Tochter studiert noch an einem Kollege.

Auch die Katechetin Margareth ist dabei ihre finanzielle Zukunft abzusichern. Sie betreibt nicht nur einen kleinen Kiosk für Gemüse, sondern ist auch ins Bankgeschäft eingestiegen. In Tansania bieten die Mobilfunkanbieter auch Geldtransfer übers Telefon an. An registrierten Stellen kann man Geld einzahlen und an jemanden mit einer Nummer im selben Netz schicken. Die empfangene Person kann es sich an jeder anderen registrierten Stelle wieder ausbezahlen lassen. Da viele Menschen hier nicht über ein Bankkonto verfügen und Familien oft weit über das Land (Tansania hat ca die 2,5 fache Fläche Deutschlands) verteilt sind, ist es ein einfacher und schneller Weg Geld an den Ort zu bringen, an dem es gebraucht wird. Und Margareth ist als registrierte Stelle für insgesamt 4 Mobilfunkanbieter eine richtige kleine Bank geworden. Und jeden Monat gibt es eine Kommision von den jeweiligen Anbietern, abhängig vom Umsatz. Das Startkapital aus dem Projekt hat sie in Guthaben bei den Anbietern investiert, denn ohne Guthaben, kein Geldtransfer.

Ihre Telefone sind Margareths wichtigste Arbeitsmittel

Michael und seine Frau, die alle nur “Mama” nennen, haben einen kleinen Gemüsestand, den sie an einer der stärker frequentierten Straßen betreiben. Viele sind hier zu Fuß, mit dem Rädern oder dem Motorradtaxi unterwegs – alles potentielle Kundschaften. Und so verkaufen sie hier praktisch im “Vorbeifahren” Bananen, Blattgemüse, Tomaten, Zwiebeln, Okras und vieles mehr – zum Teil aus eigenem Anbau, zum Teil von den Großhändler auf dem Markt. Mit dem Gewinn bauen sie langsam aber beständig an einem kleinen Marktgebäude mit 3 Abteilen, von denen sie 2 vermieten wollen und in einem ihren eigenen kleinen Gemischwarenladen gründen möchten. Sie sind nicht mehr ganz jung, Michael ist 75, seien Frau nur wenig jünger. Das Leben wird beschwerlicher und medizinische Ausgaben steigen. Es gibt keine Rente in Tansania, außer für Angestellte der Regierung. Die Kinder kümmern sich um die Eltern, aber die beiden wollen den Kindern nicht zur Last fallen, die haben selbst kaum etwas und leben weiter entfernt. Also arbeiten sie weiter, einen Tag nach dem anderen und versuchen auch mit über 70 noch ihr kleines Unternehmen weiter aufzubauen.

Wir werden sie alle weiter begleiten und sie in den Bemühungen unterstützen so gut wir können – mit eurer Hilfe.

Praktischer Unterricht

Ein guter Lehrer/eine gute Lehrerin kann für eine Schülerin/einen Schüler viel verändern. Ich bin sozusagen unter Lehrern aufgewachsen und weiß wie es ist, wenn sich die Arbeit nicht auf die Schule beschränkt und man in diesem Beruf mehr tut als nur das Nötigste.

So einen Lehrer haben wir heute kennengelernt – Avith.  Eigentlich unterrichtet er Wirtschaft an der Kilombero Secundary School. Die 4 Jahre andauernde Secudary School entspricht einer Gesamtschule, die an die 7 jährige Grundschule anschließt. Danach folgen 2 weitere Schuljahre (Form V und VI), die besuchen aber viele nicht mehr, weil es am Geld und an den notwendigen Noten fehlt.

Lehrer Avith zieht Hühner zur Fleischgewinnung auf und baut Gemüse an

Um so wichtiger ist es, dass die jungen Menschen früh lernen, wie man sich den eigenen Lebensunterhalt verdienen kann.

Das hat sich auch Avith gedacht und verlegt den Unterricht regelmäßig in seinen Garten, um den Schülerinnen und Schülern beizubringen, wie man mit Gemüseanbau ein Zusatzeinkommen erwirtschaften kann. Er bringt ihnen hier bei, wie man ohne Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger genug Profit erwirtschaften kann, um sich gut über Wasser zu halten.

Unser Verein konnte gemeinsam mit unserer tansanianischen Partnerorganisation der IALI Foundation diesen Garten unterstützen. Über Material und eine Anschubfinanzierung und Beratung durch Moses, der ein Studium der Agrarökonomie abgeschlossen hat.

Unkraut jäten im Garten

Fleißig sind die jungen Leute hier bei der Arbeit, wässern die Beete, entfernen Unkraut und düngen mit dem Mist der Hühner, die der Lehrer gleich nebean hält. Auf unsere Nachfrage erklären sie uns, dass sie das hier Erlernte auch Zuhause fleißig umsetzen und dort schon eigenen Gärten angelegt haben. Damit können sie einen Teil der Schulkosten selbst erwirtschaften. Und natürlich kriegen sie auch für ihre Arbeit im Garten einen Anteil des Gewinns.

Der Lehrer freut sich, wenn er das hört. “Jede und jeder hier hat Talente und die möchte ich fördern. Das ist meine Aufgabe”, sagt er. Besonders, weil er weiß, dass die berufliche Zukunft nicht für alle gut aussehen wird. Für Avith ist dieses Projekt eine Herzensangelegenheit. Er will seinen Schülerinnen und Schülern etwas fürs Leben mitgeben – und das schafft er auch.

Wie lebt man mit weniger als 1€ Einkommen am Tag?

Viele Menschen leben global in absoluter Armut, d.h. sie haben weniger als 1$ am Tag. Heute haben wir uns mit einer Gruppe von Menschen getroffen, die obwohl sie Vollzeit arbeiten weniger am Tag zur Verfügung haben, nämlich ca 70 Cent.

Die Katechetinnen und Katecheten der Pfarre in Ifakara bekommen für ihre Arbeit umgerechnet weniger als 20 € monatlich- auch nach tansanianischen Verhältnissen nicht genug zum Leben und weit unter dem üblichen Einkommen.

Bereits vor der Gründung des Vereins war eines der ersten Projekte neben den Stipendien Programmen im Rahmen der Pfarrpartnerschaft die Unterstützung der Katechetinnen und Katecheten.  Sie leisten viel – vom Religionsunterricht an den Schulen bis hin zu Trauerbegleitung und beinahe schon sozialarbeiterischer Hilfe bei Problemen in den Dörfern.  Sie sind dauernd erreichbar und dauernd unterwegs und von dem kaum nennenswerten Gehalt müssen sie auch noch die entstehenden Fahrtkosten selbst tragen.

Wie lebt man also von weniger als 1 € am Tag ? So recht kann uns das auch aus der Gruppe niemand beantworten- denn zum Glück sind das nicht ihre einzigen Einnahmen.  In den letzten Jahren haben wir gemeinsam mit unserem Projektenpartner an einem nachhaltigen Hilfsprogramm für diese Menschen und ihre Familien gearbeitet.  Nach einem mehrtägigen Crashkurs zur Planung und dem Aufbau von Kleingewerben haben sie alle mit einer Anschubfinanzierung unseres Vereins ihre eigenen Projekte gestartet, immer unter Anleitung und mit Hilfe von Moses Subert,  unserem Projektkoordinator. Bei jedem Schritt und Problem stand und steht er mit Rat und Tat zur Seite.

Einige der Katechetinnen und Katecheten in Ifakara

Manche halten Schweine oder Hühner, andere verdienen mit dem Anbau und Verkauf von Gemüse etwas dazu – die meisten aber haben kleine Kioske und Läden aufgemacht, in denen sie in ihrer knappen freien Zeit noch Dinge des täglichen Bedarfs verkaufen.

Katechet Oswald vor seinem Kiosk – auf Swahili “Genge” genannt

Wir dürfen heute einen der Katecheten besuchen – Oswald. Was er uns erzählt berührt uns.

Wir fahren mit den Rädern an Feldern vorbei und zwischen einfachen Häusern durch in den Ortsteil Mbasa. Hier lebt seit kurzem Oswald mit seiner Frau und 2 Kindern. Er hat ein Haus gebaut mit dem Gewinn des Kiosks. Es ist noch nicht fertig, aber um Geld zu sparen und um keine Miete mehr zahlen zu müssen, lebt die Familie schon dort.

Oswald hat bei Null angefangen. Der Vater hat die Familie früh verlassen und eine neue Familie gegründet. Mit viel Mühe hat er das Geld für seine Ausbildung zusammengekratzt. Finanzielle Hilfe von seinem Vater gab es nie und die Mutter hatte nie Geld übrig. Dann hat er angefangen als Katechet zu arbeiten. Geld gab es auch dafür kaum, aber das war ihm egal, bis er die Verantwortung für eine Familie hatte. Jetzt kommt sein Haupteinkommen aus dem kleinen Kiosk, nicht aus der Vollzeitarbeit als Katechet.

“Wenn ich heute sterben sollte, weiß ich, dass meine Familie versorgt ist. Nur wegen diesem Projekt. Wenn ein Katechet stirbt, bekommt er den billigsten Sarg von der Pfarre gestellt. Seine Familie bekommt ein paar Kilo Reis und etwas Fleisch – und das Familieneinkommen bricht am selben Tag weg. Sie stehen vor dem Nichts. Niemand kümmert sich um sie. Mit eurer Hilfe haben wir etwas, das bleibt.”, er sagt das ohne Regung, mit einer Selbstverständlichkeit, die uns erschüttert. Die Frustration und Resignation im Bezug auf seinen Arbeitgeber, die katholische Kirche, ist spürbar – wie auch schon am Vormittag beim Treffen mit seinen Kolleginnen und Kollegen.

Es schmerzt uns. Vor uns stehen Menschen, die für ihre Arbeit kaum mehr als ein Almosen erhalten und nur durch Hilfsprojekte das Gefühl von Sicherheit für sich und ihre Familien bekommen. Alleine dieser Besuch ist Grund für uns weiter zu machen.

Einfach, aber ein paar “Luxusgüter” sind doch da

Fachkräfte – auch hier gefragt

Gleich von Anfang an hat sich der Verein der Freunde von Ifakara um das Thema “Bildung” bemüht. Die Stipendien Programme des Vereins helfen jungen Menschen bei einem besseren Start in ihre berufliche Zukunft. Dabei geht es für uns nicht nur um klassische akademische Berufe,  sondern auch um Berufe, die in Deutschland und Österreich Ausbildungsberufe sind. Diese Fachkräfte und Handerwerker sind auch in Tansania sehr gefragt.

Einer unserer Stipendiaten ist der 20 jährige College Student Elineema, der in seinem letzten Jahr des “berufsorientierten College für Metallverarbeitung” ist. In seinen Ferien hat ihm unser Projektleiter Moses einen Praktikumsplatz in der regionalen Hauptstaft Morogoro besorgt.

Der Betrieb stellt alles mögliche her von Aluminumfenstern, Metallbetten und Küchen bis hin zu Sielgeräten und Metalltreppen. Der junge Student kann hier sehr viel lernen, meint er – der Betrieb ist bekannt für die saubere und hochwertige Arbeit. Und der Chef stellt ihm ein sehr gutes Arbeitszeugnis aus. Elineema sei sehr fleißig und wolle alles verstehen und lernen, erzählt er uns in seinem kleinen Büro an einer Nebenstraße direkt neben der Schweißerwerkstatt. Hier wird hart gearbeitet – für mitteleuropäische Verhältnisse wird der Arbeitsschutz vielleicht etwas vernachlässigt, aber man kann nicht alles haben. Und auch Elineema zeigt uns, was er gelernt hat.

Und die Chance auf diese Ausbildung für ihn nicht selbstverständlich. Die alleinerziehende Mutter konnte kaum die Kosten für das Essen für ihn und seine 2 Geschwister auf den Tisch bringen, obwohl sie immer hart dafür gearbeitet hat. Aber die eigenen Felder haben wenig abgeworfen – eine Ausbildung hatte sie nicht. Ohne die Hilfe wäre er jetzt wohl in Ifakara und würde auf dem Feld arbeiten oder nichts tun – Jobs ohne Ausbildung gibt es nicht wirklich, zumindest keine, die genug zum Leben einbringen, meint der junge Mann. Nächstes Jahr um diese Zeit können wir ihn hoffentlich schon in einer fixen Arbeitsstelle besuchen – vielleicht sogar hier, meint der Chef des Betriebs.

Angekommen

Nach einem verhältnismäßig kurzem Flug sind wir knapp vor Mitternacht in Dar es Salaam gelandet. Heute machen wir uns auf den Weg nach Ifakara.

Es war gestern nach unserer Ankunft in Dar es Salaam besonders schön Moses wieder zu sehen. 5 Jahre konnten wir unseren guten Freund und Projektleiter nicht persönlich treffen und das Wiedersehen war wunderbar und sehr, sehr herzlich. Ich kann nicht in Worte fassen wie schön es ist sich nach der langen Zeit wieder zu sehen.

Jetzt sind wir unterwegs Richtung Ifakara, aus Dar es Salaam heraus, das sich in den letzten Jahren massiv verändert hat. Das Verkehrssystem und Straßennetz wurde ausgebaut, es gibt sogar eine Rapid-Bus System, wobei die Betonung definitiv auf dem Wort Bus liegt, nicht auf der Geschwindigkeit und dem System.

Kaum aus der Stadt raus werden die Straßen wieder schlechter und schmaler. Überall am Straßenrand sind Menschen unterwegs – Schulkind gehen zur Schule, Händler mit handgezogenen Karren mit Obst auf dem Weg zum Markt, ein Motorrad fährt mit einer Couch vorbei, die mit Seilen festgebunden ist. Die Fernbusse und Safari- Wagen mit Touristen, Kleinbusse für den Nahverkehr und LKWs, die dunkelschwarze Abgaswolken ausstoßen…dazwischen Motorräder, die als Taxis fungieren, zT mit mehreren Personen und deren Einkäufen beladen und jede Menge Fahrräder und Fußgänger. Kaum aus der Stadt heraus zeigt sich wieder das uns bekannte Bild. Auf den meisten Bussen und LKWs stehen religiöse Sprüche und Zitate- vielleicht helfen sie ja ans Ziel zu kommen, auch wenn der Motor oder die Reifen schon sehr betagt sind.

Ca 470km liegen zwischen Dar es Salaam und Ifakara und wir hoffen auf eine gute und sichere Reise.

Es geht wieder los …

Endlich geht es los. Nach vielen Vorbereitungen ist es soweit, heute um 4:30 Uhr haben wir uns auf den Weg Richtung Flughafen gemacht. Ifakara,  wir kommen!

Nach 5 jähriger Pause können wir endlich wieder zu unseren Projekten nach Ifakara/Tansania reisen. Wir freuen uns auf bekannte Gesichter genau so wie auf neue Eindrücken. Was hat sich wohl alles verändert?

In den letzten Tagen war viel zu tun und der Stress rund um die letzten Vorbereitungen hat uns auf Trab gehalten – an dieser Stelle ein großes Danke an alle die uns in der Arbeit und auch durch das Versorgen von Haus, Garten und Tieren den Rücken frei halten.

Und jetzt ist es endlich soweit und wir können unsere Reise starten. Für mich eine ganz besondere Reise – vor 20 Jahren bin ich zum ersten Mal nach Ifakara aufgebrochen. Seither haben mich dieser Ort und seine Menschen nicht mehr losgelassen.

Ich freue mich darauf die Erlebnisse dieser Reise mit euch zu teilen.

Gerade noch in Bayern … in 12 Stunden in Tansania