Das Warten

Unser Alltag in Europa ist schnelllebig. Alles muss effizient erledigt werden, darf nicht zu lange dauern und Pünktlichkeit ist selbstverständlich.  Warten … nichts was wir in unserem täglichen Leben besonders gut können.

Hier ist das Warten allgegenwärtig. Immer und überall. Geduld ist eine Tugend, die die meisten Menschen in Afrika meisterlich beherrschen.  So auch der junge Mann, der vor dem Büro unserer Partnerorganisation, der IALI-Foundation steht, Kelvin. Er wartet schon lange darauf jemanden von der Organisten zu treffen, die ihn unterstützt hat, sagt er mir gleich zu Beginn. Mit strahlendem Lächeln schüttelt er mit die Hand und lässt sie nicht mehr los. Vor 9 Jahren hat er mit einem Stipendium unseres Vereins seine Ausbildung zum Grundschullehrer abgeschlossen. Lange hat ihm der Mut gefehlt uns zu kontaktieren,  denn eine Anstellung in einer staatlichen Schule gab es nicht – einmal mehr musste er warten.  Die paar Stunden Unterricht, die er an einer kleinen Privatschule hält reichen nicht zum Überleben, er hat auch Felder auf denen er Verschiedenes anbaut und selbst das ist nur knapp genug, denn inzwischen hat er selbst eine Familie gegründet und die gesundheitlichen Probleme seiner Mutter nehmen auch zu.

Warum kommt er gerade jetzt zu uns? Tja, endlich hat es geklappt und er kann eine Stelle an einer staatlichen Schule im Süden des Landes antreten. Start: nächsten Montag. Er hätte Angst gehabt, dass wir denken, es wäre ein Fehler gewesen ihn zu unterstützen. Ein Fehler …

… wo kann der Fehler liegen, wenn man versucht jemanden zu unterstützen?Meistens darin nichts zu tun, zu denken, dass man sowieso nicht bewirken kann, zu resignieren. Nein, ein Fehler war es nicht. Unsere Hilfe als Verein ist frei con Verpflichtungen, beim Helfen geht es nicht um uns.

Bei diesem Treffen wird mir einmal mehr bewusst, was ich immer wieder in Gesprächen mit jungen Menschen hier merke: es steckt ein unglaubliches Potential und ein unglaubliches Maß an Motivation in den Menschen hier. Oft ausgebremst durch Armut und den Mangel an realistischen Perspektiven. Kelvin will neben der Stelle als Lehrer weiter studieren, denn nun ist der Lebensunterhalt gesichert und die Schule ist unweit einer Universitätsstadt. Er möchte auch an höheren Schulen unterrichten können. Er weiß, dass Ideen umsetzbar sind, sagt er mir, weil es ja schon einmal geklappt hat – Dank der Hilfe von euch, unseren Unterstützerinnen und Unterstützer. Und hoffentlich ohne lange Wartezeit.

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