Nie stehenbleiben

Machipi – ein weiteres Dorf in Ifakara. Einmal mehr sind wir mit den Rädern unterwegs durch eine Landschaft, die uns an die klassischen Bilder erinnert, die wir in Europa oft von Afrika haben. Die rötliche Erde der Straße, hohe Gräser am Straßenrand, vereinzelt kleine Häuser und der blaue Himmel mit den weißen Tupfen der Wolken, die uns im Vorbeiziehen eine kurze Pause von der brennenden Sonne verschaffen.

Wir sind unterwegs zu Ruben, einem Bauern, der auch an unserem Sonnenblumen Projekt teilnimmt. Er trifft uns auf dem Weg und führt uns über ein Labyrinth aus schmalen Pfaden zu einem seiner Felder. Es steht knapp vor der Ernte, die Köpfe der Sonnenblumen hängen schwer mit Samen. Genau erklärt er uns, wie er mit gespannten Schnüren die Reihen angelegt und immer mit einem Stock den Abstand zwischen den Samen gemessen hat. Sehr genau und immer gleich. So spenden sich die heranwachsenden Pflanzen gegenseitig Schatten und haben doch genug Platz sich zu entwickeln.  Hier ist alles Maßarbeit.

Und auch Handarbeit. Maschineneinsatz, Fehlanzeige. Vom Vorbereiten des Feldes über das Pflanzen bis hin zur Ernte – das wird alles von Hand erledigt. Sogar das Entfernen der Samen aus den getrockneten Köpfen der Sonnenblumen. Viel Arbeit, sicher, aber er ist sehr zufrieden mit dem Erfolg.

Auch das Herauslösen der Kerne aus dem getrockneten Blütenköpfen ist Handarbeit

Das erste Feld habe ich schon abgeerntet. Die Ernte war sehr gut und diese Pflanzen hier werden auch sehr guten Ertrag bringen. Ich freue mich sehr und bin sehr dankbar für die Hilfe. Euer Saatgut hat sehr gute Qualität und diese Samen bringen sehr viel Öl. Auch die Beratung hilft uns sehr. Ich freue mich über Tipps und will dazu lernen. Früher gab es hier kaum Sonnenblumen. Aber sie wachsen sehr, sehr gut. Und man braucht keine Pestizide und so weiter. Das ist schön.

Als wir sein 2. Feld besuchen, das er später angelegt hat, sehen wir das geschäftige Treiben der Bienen an den Blüten. Überall finden sich Wildbienen und die Vögel zwitschern aus den Palmen – dazu die leuchtend gelben Blüten, die das so ermöglichen. Eine Idylle.

Eine Idylle, die gleizeitig Geld bringt. Denn Ruben lebt ausschließlich von der Landwirtschaft. Zusammen mit seiner Frau und 5 Kindern, die alle zur Schule gehen können. Er selbst ist eigentlich Ingenieur für Wassertechnik. Und auch seinen Kindern will er die Chance für weitere Bildung geben. Die Sonnenblumen und deren Ertrag sollen dabei helfen.

Dazu hält er noch Schweine – eine gute Kombination, denn die Reste der Sonnenblumenkerne nach dem Pressen geben gutes Schweinefutter, zusammen mit den eingeweichten Schalen der Reiskörner und Grünfutter wie Bananenblättern, hat er sich so einen schönen Bestand aus wohl genährten Tieren aufgebaut. Verschiedene Standbeine zu haben ist wichtig, besonders, wenn eines davon mal ein Jahr weniger gut funktionieren sollte.

Ein findiger Mann, der auch andere inspirieren möchte und die ersten Nachbaren haben schon Interesse an seinen Sonnenblumen.

Ich möchte, dass besonders die jungen Leute das sehen und selbst versuchen. Ich helfe ihnen auch gerne. Gemeinsam schaffen wir es weiter zu kommen.

Immer neue Ideen kommen ihm, die er verfolgen möchte. Vielleicht in Zukunft auch wieder gemeinsam mit dem Verein der Freunde von Ifakara und unserer Partnerorganisation hier vor Ort, der IALI Foundation.

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