Viele Menschen leben global in absoluter Armut, d.h. sie haben weniger als 1$ am Tag. Heute haben wir uns mit einer Gruppe von Menschen getroffen, die obwohl sie Vollzeit arbeiten weniger am Tag zur Verfügung haben, nämlich ca 70 Cent.
Die Katechetinnen und Katecheten der Pfarre in Ifakara bekommen für ihre Arbeit umgerechnet weniger als 20 € monatlich- auch nach tansanianischen Verhältnissen nicht genug zum Leben und weit unter dem üblichen Einkommen.
Bereits vor der Gründung des Vereins war eines der ersten Projekte neben den Stipendien Programmen im Rahmen der Pfarrpartnerschaft die Unterstützung der Katechetinnen und Katecheten. Sie leisten viel – vom Religionsunterricht an den Schulen bis hin zu Trauerbegleitung und beinahe schon sozialarbeiterischer Hilfe bei Problemen in den Dörfern. Sie sind dauernd erreichbar und dauernd unterwegs und von dem kaum nennenswerten Gehalt müssen sie auch noch die entstehenden Fahrtkosten selbst tragen.
Wie lebt man also von weniger als 1 € am Tag ? So recht kann uns das auch aus der Gruppe niemand beantworten- denn zum Glück sind das nicht ihre einzigen Einnahmen. In den letzten Jahren haben wir gemeinsam mit unserem Projektenpartner an einem nachhaltigen Hilfsprogramm für diese Menschen und ihre Familien gearbeitet. Nach einem mehrtägigen Crashkurs zur Planung und dem Aufbau von Kleingewerben haben sie alle mit einer Anschubfinanzierung unseres Vereins ihre eigenen Projekte gestartet, immer unter Anleitung und mit Hilfe von Moses Subert, unserem Projektkoordinator. Bei jedem Schritt und Problem stand und steht er mit Rat und Tat zur Seite.

Manche halten Schweine oder Hühner, andere verdienen mit dem Anbau und Verkauf von Gemüse etwas dazu – die meisten aber haben kleine Kioske und Läden aufgemacht, in denen sie in ihrer knappen freien Zeit noch Dinge des täglichen Bedarfs verkaufen.

Wir dürfen heute einen der Katecheten besuchen – Oswald. Was er uns erzählt berührt uns.
Wir fahren mit den Rädern an Feldern vorbei und zwischen einfachen Häusern durch in den Ortsteil Mbasa. Hier lebt seit kurzem Oswald mit seiner Frau und 2 Kindern. Er hat ein Haus gebaut mit dem Gewinn des Kiosks. Es ist noch nicht fertig, aber um Geld zu sparen und um keine Miete mehr zahlen zu müssen, lebt die Familie schon dort.
Oswald hat bei Null angefangen. Der Vater hat die Familie früh verlassen und eine neue Familie gegründet. Mit viel Mühe hat er das Geld für seine Ausbildung zusammengekratzt. Finanzielle Hilfe von seinem Vater gab es nie und die Mutter hatte nie Geld übrig. Dann hat er angefangen als Katechet zu arbeiten. Geld gab es auch dafür kaum, aber das war ihm egal, bis er die Verantwortung für eine Familie hatte. Jetzt kommt sein Haupteinkommen aus dem kleinen Kiosk, nicht aus der Vollzeitarbeit als Katechet.
“Wenn ich heute sterben sollte, weiß ich, dass meine Familie versorgt ist. Nur wegen diesem Projekt. Wenn ein Katechet stirbt, bekommt er den billigsten Sarg von der Pfarre gestellt. Seine Familie bekommt ein paar Kilo Reis und etwas Fleisch – und das Familieneinkommen bricht am selben Tag weg. Sie stehen vor dem Nichts. Niemand kümmert sich um sie. Mit eurer Hilfe haben wir etwas, das bleibt.”, er sagt das ohne Regung, mit einer Selbstverständlichkeit, die uns erschüttert. Die Frustration und Resignation im Bezug auf seinen Arbeitgeber, die katholische Kirche, ist spürbar – wie auch schon am Vormittag beim Treffen mit seinen Kolleginnen und Kollegen.
Es schmerzt uns. Vor uns stehen Menschen, die für ihre Arbeit kaum mehr als ein Almosen erhalten und nur durch Hilfsprojekte das Gefühl von Sicherheit für sich und ihre Familien bekommen. Alleine dieser Besuch ist Grund für uns weiter zu machen.
