Geschenkt

Nachdem heute besonders viele Anfragen für Unterstützung bei uns eingegangen sind, hier ein paar Gedanken dazu.

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Während unseres Aufenthaltes in Ifakara kommen immer wieder Menschen auf uns zu mit der Bitte um Hilfe. Nicht immer kennen wir die Leute, die uns um Unterstützung bitten, aber Verzweiflung und Not treiben Menschen dazu diese Hemmschwelle zu überwinden.

Manchmal wäre es einfacher, die Probleme, die uns so präsentiert werden, mit einer Spende und einem wohlwollenden Nicken abzutun – aber: was passiert in diesem Moment mit diesem Menschen?

Er/Sie wird klein gemacht, ein/e AlmosenempfängerIn.  Das sollte nicht die Lösung sein. Damit wird einmal mehr ein klares Bild transportiert: weiß=reich, schwarz=arm

Doch wir sind nur eines: Menschen – und zwar alle.

Für meinen Geburtsort und den Reichtum der damit einhergeht habe ich keine Leistung erbringen müssen. Es war ein Geschenk. Ebenso, dass ich in einem Land geboren wurde, das seit Jahrzehnten keinen Krieg erleben musste.

In meinem Verständnis erwächst daraus eine gewisse Verpflichtung. Die Verpflichtung zu teilen. Und das Wichtigste daran: dabei immer bemüht zu sein das auf Augenhöhe zu tun. Wohlstand macht einen nicht zu einem besseren Menschen. Der Grundwert eines menschlichen Lebens ist für mich unantastbar und immer der Selbe.

 

Mit diesem Hintergrund versuchen wir hier über Unterstützung für Bildung und mit Projekten im landwirtschaftlichen Bereich, Menschen zu helfen ihre eigenes Einkommen zu erwirtschaften und nachhaltig und langfristig unabhängig ihr Leben frei und selbstständig gestalten zu können – so wie sie es wollen, nicht wie wir es bespenden.

An alle die uns dabei unterstützen: Asante sana – vielen Dank!

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Die Schule wächst

Wieder besuchen wir die Primary School in Katindiuka. Das BRG/BORG Landeck hatte die Schule bereits vor einige Jahren beim Bau eines Klassenzimmers tatkräftig unterstützt (https://freundevonifakara.com/2014/08/08/und-was-wurde-aus). Der Klassenraum wird gut genützt, auch wenn hier eine relativ kleine Klasse mit nur 61 SchülerInnen unterrichtet wird. Es ist eine 1. Klasse und gerade lernen die Kinder im Mathematik-Unterricht was ein Viertel ist.

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Der Plan war durch den Bau einer zusätzlichen Klasse die Zahl der SchülerInnen pro Klasse zu reduzieren. Damals waren es 525 SchülerInnen und rund 120 Kindergartenkinder die an der Schule unterrichtet wurden. Eine Primary School umfasst 7 Jahrgänge, kombiniert also sozusagen Volks-/Grundschule und Hauptschule.

Doch Ifakara wächst stetig und so auch Katindiuka. Inzwischen sind es 716 SchülerInnen, die hier unterrichtet werden, zusätzlich 147 Kindergarten Kinder (in einer Gruppe).  Die größte Klasse der Schule zeigt uns der Direktor auch – 136 SchülerInnen sitzen hier, 4 pro Bank. Für uns unvorstellbar.

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Weitere Klassenräume sind im Moment nicht geplant – es fehlt an Geld. Die Dorfgemeinschaft hat Ziegel zur Verfügung gestellt, aber schon für den Transport hierher, geschweige denn für weitere Bauarbeiten fehlt die Finanzierung. Es ist eine staatliche Schule – hilft denn die Regierung nicht? Doch, sagt der Direktor, aber erst, wenn eine Gemeinschaft ihren Eigenanteil geleistet hat, also mindestens die Hälfte des Baus fertig gestellt ist. Dann könne man um Unterstützung ansuchen.

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Er macht sich Sorgen – Sorgen um die Zukunft der Kinder hier. „Die Klassen werden immer größer …immer mehr SchülerInnen werden angemeldet. Wie soll das weitergehen?“

Für die Hilfe bisher ist er sehr dankbar. „Vielen Dank, wirklich, vielen Dank. Wir sind so froh um den zusätzlichen Klassenraum!“

Sein Büro ist spärlich eingerichtet, einen Computer oder Ähnliches gibt es nicht an der Schule. Alle Unterlagen sind hier handgeschrieben.

Was die größten Sorgen sind? „Klassenräume und Toiletten“, sagt er sofort – es gibt nämlich auch nur 9 Toiletten für alle (inklusive des Kindergartens), also für 863 Kinder.

Was bleibt …

 

Dieser Sonntag bringt uns zum Nachdenken. Bei all unseren Projekten denken wir darüber nach, was die langfristige Perspektive ist – sprich: Was bleibt? Heute hat diese Frage aber noch eine andere Bedeutung.

Wir denken an eine junge Frau, die uns noch vor 4 Jahren hierher begleitet hat. Petra, von der wir uns in diesem Jahr überraschend und viel zu früh verabschieden mussten. Plötzlich aus dem Leben gerissen.

Und auch hier ist die Frage: Was bleibt?

Viele die an sie denken, viele, die um sie trauern. Auch hier in Ifakara werden wir immer wieder nach denen gefragt, die uns in den letzten Jahren begleitet haben – auch nach Petra. Und überall sehen wir in überraschte und schockierte Gesichter, wenn wir erzählen, dass die junge Lehrerin aus Österreich in diesem Jahr verstorben ist.

Die Tierspenden, die sie vor ihrer Reise hierher mit ihrer Klasse am Akademischen Gymnasium Salzburg gesammelt hat (https://freundevonifakara.com/2014/08/03/ziegen-kuhe-usw/), haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Sie ernähren Familien und schaffen Einkommen.

Aber auch dieses Jahr können wir durch Petra, durch ihre Familie, ihre KollegInnen, SchülerInnen und FreundInnen wieder Menschen unterstützen. In diesem Jahr haben sich LehrerInnen und SchülerInnen des Akademischen Gymnasiums Salzburg im Andenken an unsere liebe Petra sowohl am Junior-Marathon in Salzburg (https://www.akadgym.salzburg.at/2018/05/08/das-akadgym-beim-salzburg-juiormarathon) beteiligt, als auch an einem Laufprojekt an der Schule (https://www.akadgym.salzburg.at/2018/05/28/schuelerinnen-des-akademischen-gymnasiums-erlaufen-e-8000) , bei dem unglaubliche Summen erlaufen wurden, die unsere Projekte hier unterstützen.

Und auch ihre Familie hat bei der Beerdigung an Stelle von Kranzspenden zu Spenden für die Projekte in Ifakara aufgerufen. Auch mit diesem Geld können wir in diesem Jahr wieder vielen Menschen helfen und ihr Leben hoffentlich nachhaltig positiv beeinflussen.

Eines der unterstützen Projekte ist unser Stipendien-Programm. Durch diese (und natürlich auch die anderen Bildungs-PatInnen) können wir auch dieses Jahr neue BewerberInnen für ein Stipendium besuchen – so auch die 15jährige Avelina.

 

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Die Familie der Schülerin ist überrascht als wir eintreffen – zwar hatten sie sich um Unterstützung beworben, dass es aber tatsächlich eine Chance für Unterstützung gibt, das klingt für sie fast zu gut um wahr zu sein.  Nach Abschluss der 7jährigen Grundschule musste Avelina 1 Jahr Zuhause bleiben, denn Geld für den weiteren Schulbesuch war nicht da. Für das erste Semester im Jahr 2018 hat die Familie durch 1 Jahr sparen das Geld zusammen kratzen können – morgen beginnt das neue Semester und bisher war unklar, ob das Geld reichen wird. Die Familie ist zwar nicht sehr groß, aber es gibt große Ausgaben, die bewältigt werden müssen. Denn der Vater des Mädchens, der bisher der Hauptverdiener war, ist krank. Es ist eine Augenerkrankung und er muss zu Untersuchungen regelmäßig nach Dar es Salaam fahren. Diese Fahrten und die Medikamente verursachen Kosten und da er kaum mehr arbeiten kann, muss die Mutter mit ihren Kindern und der Großmutter die kleine Landwirtschaft alleine weiterführen. Ob Avelina denn dann nicht zuhause gebraucht wird, fragen wir. Die Mutter antwortet klar: Sie soll es besser haben, sie soll zur Schule gehen, bitte.

Wir möchten die junge Frau etwas kennen lernen und fragen nach Hobbies. Sie blickt uns verwundert an – nach der Schule helfe sie im Haushalt, koche oder arbeite auf dem Feld. Hobbies, sowas habe sie nicht. Auch der Rest der Familie kann mit dieser Frage nicht viel anfangen.

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Und so wird Avelina morgen wieder in die Schule gehen. Im Wissen, dass sie eine Chance bekommen hat. Sie wird lernen verspricht sie uns, aufholen, was durch ein Jahr Zuhause verloren gegangen ist und die ganze Familie freut sich mit dem Mädchen.

Was bleibt … liebe Petra, von dir bleiben viele Spuren, viele berührte Herzen und viele Gesichter hier in Ifakara, die durch dich lachen können. Danke.

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Warum immer Frauen?

SONY DSCImmer wieder taucht diese Frage auf, wenn wir von unseren Projekten sprechen: Warum arbeitet ihr denn so oft nur mit den Frauen?

Die kurze Antwort darauf ist: Weil sie die sind, die fast immer alles in ihre Familie und ihre Kinder investieren. Aber das ist etwas kurz gegriffen.

Grundsätzlich ist es noch ein langer Weg zur tatsächlichen Chancengleichheit der Geschlechter in Tansania. Wenn eine Familie das Geld für den Schulbesuch eines ihrer Kinder zur Verfügung hat, wird es meist ein Sohn sein, allein schon deswegen, weil viele der Töchter vermutlich nicht mehr (außerhalb des Haushalts und der eigenen Landwirtschaft) arbeiten werden sobald sie Kinder haben. Das ist ein nachvollziehbarer Gedankengang – allerdings ist es mehr und mehr so, dass auch die Frauen einen größeren Beitrag am Erwerbseinkommen der Familie erwirtschaften.

Die Bildungssituation ist aber nur ein Teil des Problems. Frauen werden häufig bei Erbfragen komplett übergangen (sowohl Töchter, als auch Witwen). Trennungen bei unverheirateten Paaren sind nicht selten und Ansprüche auf Unterhalt gibt es de facto nicht. So sitzt eine Frau oft mit ihren Kindern in der Armutsfalle fest, wenn der Partner sie verlässt oder (und das hören wir deutlich häufiger) die Frau samt Kindern aus dem Haus jagt.

Und so haben wir in den letzten Tagen wieder mit Frauen gesprochen, die in genau dieser Situation sind und waren. So zum Beispiel heute, als wir 2 Frauen besucht haben, die beide mit ihren Kindern vor dem Nichts und auf der Straße standen – nachdem klar war, dass sie HIV positiv sind. Beide leben bis heute von der Hand in den Mund.

Was hier dringend Not tun würde: eine Form der Notunterbringung und dann ein Plan für ein eigenständiges Einkommen. An der Notunterkunft arbeiten wir noch (dazu später mehr), Unterstützung für konkretes Einkommen gibt es schon-

Was sich hier durch Projekte verändern kann, das zeigt das Beispiel einer Frau aus unserem Reisanbauprojekt:

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Zakhia wurde mit ihren 2 Kindern von ihrem Mann verjagt. Sie stand vor dem Nichts. Kein Zuhause, kein Einkommen, keine Perspektive. Heute steht die junge Frau auf einer Baustelle. Es ist ihre Baustelle. Hier entsteht ihr Haus, das sie sich durch ihre eigene Arbeit auf den Reisfeldern erwirtschaftet hat und zwar in nur 3 Jahren. Sie hat gespart und gemeinsam mit den anderen Frauen im Projekt unter Hilfe und Anleitung von unserem Projektkoordinator Moses Subert, eine kleine Genossenschaftsbank gegründet. Dieses Jahr bekommt sie ihren Anteil ausbezahlt und damit wird sie weiter bauen. Im Moment lebt sie mit den 2 Kindern in dem einen Raum der schon fertig gestellt ist. Den Stolz und die Zufriedenheit über diesen Erfolg kann sie nicht verbergen, auch wenn sie vorher beim Treffen in der Gruppe noch sehr schüchtern und zurückhaltend war. Und schließlich, am Ende unseres Besuches sagt sie etwas, das uns alle Innehalten lässt: “Ich möchte, dass junge Mädchen sehen, dass es eine Frau auch alleine schaffen kann, ohne Mann. Dass sie sehen, dass auch eine Frau etwas bewegen und gut leben kann.”

Und das ist wohl die weniger kurze Antwort auf die Frage – darum arbeiten wir so oft mit Frauen.

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Reis – kleine Pflanze große Wirkung

SONY DSCWie meistens in Ifakara sind wir auch heute mit dem Fahrrad unterwegs. Kaum haben wir die geteerte Hauptstraße gequert, geht es auf staubigen Wegen weiter, zwischen Häusern und Feldern durch bis nach Mbasa. In diesem Dorf, das zu Ifakara gehört, erwartet uns eine unserer Projektgruppen. Es sind 10 Frauen, die seit 3 Jahren im Rahmen eines Reisanbauprojekts des Vereins unterstützt werden.

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Projektgruppe in Mbasa

In den letzten Jahren haben sie viele Schulungen zu verschiedenen Themen wie Sortenauswahl, Anbautechnik, gezielte Schädlingsbekämpfung und Düngung, aber auch Erntetechnik und wirtschaften mit dem Einkommen absolviert. Und der Erfolg spricht für sich. Sie sind selbst in diesem Jahr, in dem die Regenfälle sehr unregelmäßig waren, zufrieden mit der Ernte.

Was hat sich durch das Projekt für sie verändert? Jede der Frauen hat ihre eigene Erfolgsgeschichte zu erzählen. Johana kann durch das zusätzliche Einkommen ihren Sohn zum  Kollege in Dar-es-Salaam schicken, Janeth hat jetzt Strom in ihrem Haus, Erika konnte für die Behandlung ihrer kranken Mutter aufkommen, Akwinatha hat einen Baugrund kaufen können und Zakhia hat sogar mit dem Hausbau begonnen.

Stolz erzählen sie davon – denn auch wenn sie unterstützt wurden haben sie das alles doch durch ihrere eigenen Hände arbeit geschafft. Niemand hat für sie die Felder bestellt, das haben sie selbst geschafft. Es steigt nicht nur ihr Einkommen und ihr Status in der Familie, sondern auch ihr Selbstbewusstsein.

Der Name ihrer Gruppe ist Programm: “Tunaweza”, nennen sie sich “Wir können/schaffen das”.

Vor der Kamera waren die Damen dann aber doch etwas schüchtern 😉

 

Irgendwie Afrika…

Nach den ersten Tagen zurück in Afrika stellt sich wieder ein Gefühl des Ankommens ein.

Ich sitze jetzt im letzten Licht des Tages auf den Stufen vor dem Haus und genieße das, was ich so klar mit Afrika verbinde. Irgendwo dröhnt Musik aus einem Lautsprecher, der Bass ist weit hin zu hören. Ein Hahn kräht, plötzlich das helle Lachen einer Frau. Kinder laufen auf der Straße und der Geruch von offenen Feuern auf denen das Abendessen zubereitet wird liegt in der Luft – ebenso der Geruch von verbranntem Müll. Die Kokospalme hinter dem Nachbarhaus wirkt wie mit Weichzeichner nachgezogen durch den Staub der ungeteerten Straße, der sich langsam legt. Insekten zirpen und immer wieder singt irgendwo ein Vogel.

Es ist laut und doch seltsam friedlich… Und für den der er kennt ist es ein Stückchen Heimat fern der Heimat… es ist Afrika.

Ankommen und erste Neuigkeiten

Nach einer guten ersten Nacht in Tansania und einem tollen Frühstück sind wir im Büro unseres Vereins angekommen… Erste Projekte werden schon besprochen und der Plan für unseren Aufenthalt fixiert.

Viel Zeit verbringt Moses Subert, der für unseren Verein hier arbeitet, nicht im Büro. Er ist meistens bei unseren Landwirtschaftsprojekten unterwegs draußen auf den Feldern und bei Bäuerinnen und Bauern.

Gerade hat er uns erzählt, dass einer der Stipendiaten unseres Vereins gerade seinen Schulabschluss gemacht hat und uns gerne treffen will… Wir freuen uns darauf und nehmen euch natürlich mit!